Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Schöne Stoffe für schwarze Frauen

Kultur / 30.08.2013 • 21:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Fünf verschiedene Ausstellungen sind im neuen Landesmuseum zu sehen, darunter eine Sonderausstellung (geöffnet bis 6. Jänner 2014). Der Titel „Lustenau Lagos African Lace“ weist auf die intensiven, seit 50 Jahren bestehenden Handelsbeziehungen zwischen der Stickereizentrale Vorarlbergs und dem westafrikanischen Nigeria hin. Die Ausstellung wurde vom Weltmuseum (früher: Völkerkundemuseum) Wien zusammengestellt und für Bregenz adaptiert.

Es hat Zeiten gegeben, da wurden 90 Prozent der Lustenauer Stickereien nach Nigeria exportiert. Das war in den Siebzigerjahren. Mit dieser fast monopolartigen Stellung ist alles über die Wichtigkeit des nigerianischen Marktes für die Rheingemeinde in Vorarlberg gesagt. Ein halbes Jahrhundert währt nun diese Beziehung, die auch die Mode in Lagos maßgeblich beeinflusste. Wie sehr und in welcher Opulenz, das kann man in der Ausstellung im Museum sehen. Prächtigste Stoffe, die von bedeutenden Modeschöpfern in ebensolche Kleider verwandelt wurden. Im letzten Teil der Ausstellung fühlt man sich fast in eine Modeschau versetzt (eine solche findet am 13. September im Museum statt). Viel wird erklärt, von der Entwicklung der Stickerei in Lustenau, von den wirtschaftlichen Beziehungen, vom modischen Leben in Lagos. Tafeln, Fotos und Filme bringen Informationen und auch Emotionen in die gut gemachte Ausstellung.

Die Schwierigkeiten, die mit diesem wirtschaftlichen Zweig, von dem halb Lustenau lebte, verbunden waren, werden nur etwas verschämt in einer hintern Ecke in einigen Zeitungsausschnitten erwähnt. Vor allem das Jahr 1977, in dem es in Lustenau den „Nigeria-Schock“, die totale Import-Sperre in Nigeria, gab, in der Lustenauer Schmugglerware in Nigeria öffentlich verbrannt wurde, wird nicht ausreichend ausgeleuchtet. Damit bleibt die Ausstellung eine notwendige soziologische Aufarbeitung schuldig – auf der afrikanischen Seite ebenso wie in Lustenau. Immerhin war es nur eine geringe Oberschicht in Lagos, die sich Spitzen aus Lustenau leisten konnte, eine Schicht, die ihren Reichtum nicht durch „schaffa“ erworben hatte. Und andererseits konnten die Lustenauer ihr jahrhundertealtes Wissen ums Schmuggeln, in diesem Fall das Schmuggeln von Geld, wieder aufleben lassen. Eine Ausleuchtung dieser Umstände wäre erhellend gewesen und hätte der Ausstellung gutgetan.

walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.