Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Museum ohne bildende Kunst?

Kultur / 13.09.2013 • 21:30 Uhr

Stellen Sie sich vor: Sie bekommen Besuch und Sie wollen diesem gerne einige Beispiele bildender Kunst aus Vorarlberg zeigen. Wohin gehen Sie da? Natürlich – ins Museum. Das Problem ist: Da werden Sie nicht fündig werden. Denn im neuen Vorarlberger Landesmuseum findet man (fast) keine Vorarlberger Kunst, keine Malerei, keine Bildhauerei. Jedem fallen einige Namen ein, die man im heimischen Museum erwartet: Angelika Kauffmann, Rudolf Wacker, Edmund Kalb. Wenn Sie sich etwas besser auskennen, dann würden Sie noch einige suchen: Albert Bechtold, Hubert Berchtold, Hubert Dietrich, Leopold Fetz, Martin Häusle, Rudolf Högler, Walter Khüny, Edwin Neyer – und noch manch andere. Allen ist eigen, dass sie als Künstler in Vorarlberg wesentliche Bedeutung – manche auch weit darüber hinaus – gehabt haben, alle sind gestorben (was auch als Kriterium für die Aufnahme in ein Museum gilt). Aber keinen von ihnen findet man im Museum.

Ausnahmen gibt es schon: Von Angelika Kauffmann findet man einige Stiche in der Spezialausstellung „Buchstäblich Vorarlberg“, dort ebenfalls Selbstporträts von Edmund Kalb, von Albert Bechtold ebendort das Porträt in Holz von Rudolf Wacker. Aber das muss man wissen, sonst sucht man vergebens. Und so erlaubt man sich doch die Frage, ob es sein kann, dass die bildende Kunst des Landes in einem Landesmuseum ausgeblendet wird? So versteht man auch die Klage von Künstlern, dass es „keinen Platz im ganzen Land gibt, an dem man eine Übersicht zur bildenden Kunst bekommt“. Schließlich kann man sogar nachvollziehen, dass der seit vierzig Jahren immer wieder in Diskussionen auftauchende Ruf nach einer „Landesgalerie“ neue Nahrung erhält. Denn irgendwo sollten die Künstlerinnen und Künstler ihren Platz finden, sollten ihre Arbeiten interessierten Menschen zugänglich sein.

Etwas bildende Kunst gibt es im Museum: Im inneren Umgang von „Buchstäblich Vorarlberg“, im 2. Stock des Museums, ist eine Ausstellung von zeitgenössischer Kunst zu sehen. Insgesamt 26 Künstlerinnen und Künstler sind mit jeweils einer Arbeit vertreten. Vorwiegend jüngere Künstler werden in einer Auswahl von Hubert Matt gezeigt, einer Auswahl, die allerdings nicht nachvollziehbar ist. Vor allem aber: Sie ist kein Ersatz für die Präsenz von für das Land wesentlichen Malern und Bildhauern im Landesmuseum.

walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.