Eine Schande für unser Land
Eigentlich müsste man den Vorarlbergern untersagen, sich über die vergangene Nationalratswahl in irgendeiner Form zu äußern. Wir haben unser demokratisches Kapital nun endgültig verspielt. Denn nachdem wir schon vor fünf Jahren mit knapp über 70 Prozent eine beschämende Wahlbeteiligung zu verzeichnen hatten, verschlechterte sich dieser Wert am vergangenen Sonntag noch einmal auf gerade noch gut 65 Prozent. Und das ist, einfach gesagt, eine Schande. Selbst wenn man akzeptiert, dass vor allem die bisher dominierenden Parteien, naturgemäß besonders die beiden Regierungsparteien, den Wählern die Politik in den letzten fünf Jahren richtiggehend vergrault haben, so kann man doch nicht verstehen, dass so wenige den Weg in die Wahlzellen gefunden haben. Zumal es ja diesmal so viel Auswahl wie noch nie gegeben hatte. Von dieser Möglichkeit des Neuen wurde allerdings mit dem unerhörten Erfolg der NEOS in Vorarlberg immerhin ausgiebig Gebrauch gemacht.
Interessant ist, dass die beiden großen Verliererparteien, die SPÖ und die ÖVP, nichts, aber schon gar nichts aus ihrer langsam schon peinlichen Wahlniederlagenserie bei Nationalratswahlen gelernt haben. Obwohl sie nun schon beide zum zweiten Mal das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte eingefahren haben, sehen sich beide im Wählerauftrag für eine neue Regierung. In jedem privaten Unternehmen müsste ein Chef, der permanent nur rückläufige Zahlen schreibt, den Hut nehmen. Nicht so die Herren Werner Faymann und Michael Spindelegger, die auf bestem Weg sind, ihre Parteien zu bestenfalls noch Mittelparteien zu machen. Sie selbst aber sehen sich bestätigt und wollen über mögliche Regierungskoalitionen verhandeln.
Wo sind da eigentlich die Mitglieder dieser Parteien? Warum stehen die nicht auf und suchen sich neue Frauen oder Männer an der Spitze? Warum lassen die all das über sich ergehen, warum hören sie sich diese dummen, überheblichen Sprüche, die mit der politischen Wirklichkeit nichts mehr zu tun haben, noch an? Warum schicken sie jene, die ihre Partei in die politische Bedeutungslosigkeit führen, nicht zum Teufel? Gerade in Vorarlberg sollte sich das die Volkspartei, die bei dieser Wahl fünf Prozent liegen gelassen hat, fragen. Andererseits: Wenn man nicht einmal mehr die Menschen an die Wahlurnen bringt, dann ist auch das unwichtig.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.
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