Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Jetzt geht’s erst richtig los!

Kultur / 29.11.2013 • 21:50 Uhr

In den nächsten Tagen geht es endgültig ans Eingemachte. Jetzt werden wir fast einen Monat lang niedergemacht. Angefangen hat das schon im Oktober, als in den Schaufenstern die ersten Schokolade-Nikolause auftauchten. Seit dem Zeitpunkt weitet sich alles immer deutlicher aus. Nikolaus und Krampus blieben über Wochen allgegenwärtig, bis sie nun durch Weihnachtsbäume und Sterne, durch Rentiere und Schlitten, durch Wattebäusche für vermeintlichen Schnee und durch Lichterketten und Klingeling abgelöst werden. Vor allem das Klingeling, dieses weihnachtliche musikalische Säuseln in jedem Geschäft, vor allem in allen größeren Läden und Warenhäusern, wird immer unerträglicher. Es wird so weit kommen, dass wir an Weihnachten kein einschlägiges Lied mehr hören können, weil es uns schon so lange verfolgt.

Ich liebe den Advent, ich liebe Weihnachten, besonders die Rau­nächte zwischen Weihnachten und Dreikönig, diese Zeit, die eigentlich die stille sein sollte. Von Stille ist jedoch keine Rede, bis zum Heiligen Abend wird’s immer lauter, nicht zuletzt auf den überbordenden Weihnachtsmärkten in jedem Ort, an jedem Platz, die eigentlich Glühwein- oder Punschmärkte heißen sollten, denn viel anderes wird ja kaum mehr angeboten. Außer natürlich „weihnachtliche“ Musik. Und wenn das alles vorbei ist, dann schrecken uns – noch in den Feiertagen – die Böller und Raketen zu Silvester auf, die dann von den Guggamusigen der Fasnat abgelöst werden. Eigentlich werden sie ja nicht abgelöst, die ganzen jahreszeitlich bedingten Feierlichkeiten greifen inzwischen ineinander über. Damit gibt es auch kaum mehr auf die entsprechende Zeit beschränkte Angebote. Den Faschingskrapfen gibt es beispielsweise auch im Advent, von wenigen Ausnahmen abgesehen, beispielsweise der Conditorei Götze in Bregenz, die die köstlichen Krapfen ausschließlich in der Fasnat anbietet. Solch löbliche Zurückhaltung ist aber unüblich.

Natürlich gibt es auch anderes, kleine Märkte an besonderen Plätzen, Konzerte an außergewöhnlichen Orten mit ebensolcher Musik, besinnliche Worte und Töne, die versuchen, dem geschäftlichen Trubel des Ausverkaufs des Weihnachtsfestes entgegenzutreten. Das aber muss man suchen. Doch das ist ja nicht neu. Das Besondere muss man wollen und finden. Das war schon so vor zweitausend Jahren.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.