Ein Hoch auf den Gösser-Saal
Über Monate hätte ich mich gestört fühlen müssen, denn gegenüber von meinem Büro wurde gebaut. Hektisch gebaut, in jüngerer Zeit sogar Tag und Nacht. Bei mir kam trotzdem kein Ärger auf. Denn ich konnte, sozusagen vom Bürostuhl aus, den Baufortschritt eines Gebäudes verfolgen, um das es mir sehr leid getan hätte. So konnte ich zusehen, wie aus dem vorher heruntergekommenen Gebäude wieder ein neues Gasthaus wuchs, ein Schmuckstück geradezu von einem Traditionswirtshaus im Herzen von Bregenz. Das hätte auch anders kommen können, da hätten auch ein Abriss und ein Neubau stattfinden können. Beides vermutlich nicht zur Verschönerung der Stadt.
Im Gösser wurde Stadtgeschichte geschrieben, in diesem Haus wohnte der große Barockmaler Matthäus Zehender, hier wurde über die Eingemeindung von Rieden und Vorkloster abgestimmt, ebenso über den Verbleib von Fluh bei Bregenz. Das sind nur die historischen Ereignisse, wie viel hier aber auch sonst, am Wirtshaustisch neben dem Rathaus, an Stadtgeschichte verhandelt wurde, das ist nicht aufgeschrieben, aber durchaus verbürgt. Bei manchen dieser „wichtigen“ Sitzungen, bei denen die Stadtpolitik scheinbar neu erfunden wurde, war man ja auch selbst am Tisch. Einmal abgesehen von den vielen Bällen und Kränzchen im Gösser-Saal, bei denen so manche spätere Bregenzer Liebesbeziehung ihren Anfang nahm. Das Gösser war eine Institution in der Landeshauptstadt, Traurigkeit kam auf, als das Haus vor gut zwei Jahren geschlossen wurde.
So war es eine gute Botschaft, als es kurz nach der Schließung Bemühungen von Rechtsanwalt Alfons Simma gab, eine Art Bügergesellschaft zu gründen, die gemeinsam einen Neustart des Gösser ermöglichen sollte. Das hat zwar nicht wirklich funktioniert, aber trotzdem ist daraus die Rettung in der Form entstanden, dass der Unternehmer Claus Haberkorn das Gösser mit dem Willen kaufte, daraus wieder ein Gasthaus zu machen. Mit Hermann Boss als Architekt hat er einen gefunden, der dieses für Bregenz wichtige Haus, neben der Seekapelle bestens wieder instand setzte. Und die Stadt mit Bürgermeister Linhart beteiligte sich über die Sicherheitsstiege an der Rettung des besonders wichtigen, traditionsreichen Gösser-Saals. Morgen, bei der offiziellen Eröffnung, sollte man mit allen ein Glas auf das gelungene Werk trinken.
asdf
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.
Kommentar