Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Gedenken und auch Bedenken

Kultur / 28.02.2014 • 19:24 Uhr

Schon seit Jahren stößt man in Bregenz, wenn man offenen Auges durch die Stadt geht, auf neue Namensgebungen von Wegen. Im Willen, Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus Widerstand geleistet hatten, die verfolgt oder umgebracht wurden, ein entsprechendes Gedenken zu schaffen, blieben nicht allzu viele Möglichkeiten. Die meisten Straßen waren schon benannt, viele neue kommen nicht mehr hinzu. Also hielt man sich an die kleinen Wege, um diesen bedeutenden Menschen die Ehre zu erweisen, in der Sicherheit, dass nicht die Länge der Straße, sondern die Intensität der Erinnerung ausschlaggebend ist.

Angefangen hat alles am Bodenseekirchentag 2002 in Bregenz. Damals hatte sich eine Gruppe mit Walter Buder, Andreas Eder und Herbert Pruner gebildet, die einen Gedenkweg schaffen wollte, der zu den einzelnen Erinnerungstafeln an bekannte Personen des Widerstandes in Bregenz ebenso führt wie zu Stätten des Grauens, etwa zum ehemaligen Gefangenenhaus in der Oberstadt oder zum damaligen Hauptquartier der Gestapo in der Römerstraße. Denn die Gewalt, mit der das Regime Andersdenkende verfolgte, war nicht auf die berüchtigten Konzentrationslager beschränkt, Gewalt gab es auch hier, in der Kleinstadt.

„Das Grauen wohnt in der Nachbarschaft“ heißt es in einer der neuen Broschüren, die jetzt aufgelegt wurden. Diese Heftchen wurden vor einigen Tagen von den Initiatoren des Gedenkwegs in Anwesenheit von Landesbischof Benno Elbs und Bürgermeister Markus Linhart – sie unterstrichen die Bedeutung dieses Erinnerungsweges – vorgestellt. Sechs Broschüren sind es, vier sind Einzelpersonen, nämlich Karoline Redler, Maria Stromberger, Samuel Spindler und Ernst Volkmann gewidmet, in einer wird von allen, die in Bregenz vom Verbrecherregime verfolgt und umgebracht wurden, erzählt, das letzte Bändchen beschreibt schließlich den Gedenkweg durch Bregenz.

Man kann die Arbeit der Menschen, die den Gedenkweg und diese Broschüren, die über die Pfarre Mariahilf und die Diözese zu bekommen sind, betrieben haben, nicht genug loben. Zu lange sind die Gedenktafeln in einem Dornröschenschlaf gelegen, zu lange hat man sie nur einzeln, aber nicht im Zusammenhang wahrgenommen. Es mögen sich möglichst viele Menschen, es mögen sich Stadtführungen, vor allem aber die Schulen auf den Weg des Gedenkens und Bedenkens machen.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
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