Ein Dorf steht für Architektur
Dietmar Steiner, Direktor des Architekturzentrums Wien, kennt die Architekturszene in diesem Land wie wenige andere. Bei der Eröffnung der Ausstellung im Vorarlberger Architekturinstitut am Donnerstag meinte er zu mir: „Wenn ich morgen sterben würde, dann hätte ich nicht umsonst gearbeitet, denn ich habe heute die schönste Arbeit meines Lebens abgeschlossen.“ Das ist viel Butter aufs Brot – aber wenn man sich näher anschaut, um was es geht, dann kann man diese Aussage nachvollziehen. Steiner war Kurator des Projekts BUS:STOP Krumbach, das nun präsentiert wurde.
Krumbach ist ein Sonderfall. Innerhalb einiger Jahre hat sich diese Bregenzerwälder Gemeinde ein neues Zentrum, damit ein neues Gesicht gegeben. Schon vor einiger Zeit hat der Bizauer Bildhauer Herbert Meusburger eine fast architektonische Brunnenanlage geschaffen, die im Laufe der Jahre von neuen Bauten der Gemeinde umgeben wurde. Jüngstes Projekt ist das „Pfarrhaus“, das eigentlich ein Mehrzweckhaus der Gemeinde ist. Architekt Hermann Kaufmann hat hier mit seinen Kollegen Bernardo Bader und Georg Bechter ein Haus auf den neuen Platz neben der Kirche gestellt, das so etwas wie eine Konzentration bisheriger Vorstellungen von Holzarchitektur darstellt. Eine Freude, dieses Haus zu sehen und, dank der beeinruckenden Materialwahl, vor allem auch zu begehen.
Jetzt hat sich Krumbach auch international einen Namen gemacht. Mit dem Projekt der „Wartehüsle“ für den Landbus, die von sieben herausragenden internationalen Architekten gestaltet wurden, hat die 1000-Seelen-Gemeinde für Aufsehen gesorgt. Dass sich nämlich große Architekten mit einem so kleinen Projekt beschäftigen, dass so etwas von einer kleinen Gemeinde durchgezogen werden kann, dass ein solch scheinbar absurdes Vorhaben gelingen kann, das ist geradezu unglaublich. Dass sich zudem, wie Bürgermeister Arnold Hirschbühl betonte, etwa 200 Menschen in den Dienst der Sache stellten, das ist die eigentliche Sensation, denn das zeigt, wie sehr die Bevölkerung hinter diesem Projekt steht. Krumbach war schon bis jetzt erstaunlich, nun ist es mehr, ein Beispiel nämlich, wie Kunst und Architektur auch in kleinster Gemeinschaft ihren besonderen Platz finden kann. Man sollte nach Krumbach gehen, sich die „Wartehüsle“ ansehen und dann dort in einem der besonderen Gasthäuser essen.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.
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