,,Ahnengalerie“ ohne F. M. Felder
Wenn man im Landesmuseum in die für die Geschichte des Landes besonders relevante Ausstellung „vorarlberg. ein making-of“ (Kurator: Markus Barnay) geht, dann fällt nicht zuletzt eine Art Ahnengalerie auf. Darin sind Fotos und kurze Bemerkungen zu Personen, die für dieses Land besonders wichtig waren. Doch eine Person vermisst man hier besonders schmerzlich: Franz Michael Felder, den Bregenzerwälder Bauern, der nicht nur Bücher geschrieben, sondern auch – was zumindest ebenso wichtig ist – soziale und politische Projekte verfolgt hat. Vieles hat er erreicht, manches ist mit seinem frühen Tod wieder von der politischen Bildfläche verschwunden. In seinen Büchern aber leben seine Anliegen weiter. Am vergangenen Dienstag konnte man des 175. Geburtstages von FMF – so das Kürzel auf seinem Stempel – gedenken. Ich habe das getan und im Museum wieder einmal das „making-of“ besucht. Felder habe ich noch immer nicht gefunden, obwohl schon mehrmals, auch an dieser Stelle, auf das Fehlen seines Bildes und seiner Kurzbiographie aufmerksam gemacht wurde.
Am gleichen Tag aber konnte ich in dieser Zeitung eine Aussage vom Direktor des Museums, Andreas Rudigier, lesen, in der er zu erklären versuchte, warum Felder noch immer in der Ahnengalerie fehlt. Rudigier meinte, dass man bereits bei der Eröffnung des Museums im vergangenen Jahr gewusst habe, dass „man Leben, Werk und Wirkung des Dichters in einem eigenen Projekt thematisieren wird“. Gemeint ist damit die Sonderausstellung zu Felder, die ab 28. Juni im Museum zu sehen sein wird.
Diese Aussage ist doch recht erstaunlich. Man bereitet also im Museum eine Sonderausstellung zu einer bedeutenden Persönlichkeit dadurch vor, indem man sie in einem anderen Teil des Museums, in dem sie unbedingt hätte behandelt werden müssen, verschweigt. Dadurch, so meint man im Museum, würden Besucher nach dieser Person fragen, womit das Interesse an ihr besonders geweckt werde. Das ist doch einmal eine spannende Rechtfertigung für eine eigentlich unerträgliche Fehlleistung in einer Dauerausstellung des Museums. Zugute halten kann man Rudigier, dass er sich schützend vor seinen Mitarbeiter stellt, dem der Fehler unterlaufen ist. Das, und nur das kann man anerkennen. Die „Ahnengalerie“ müsste man trotzdem schnellstens um Franz Michael Felder ergänzen.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.
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