Ein Kaplan als Bestsellerautor
In den Vorankündigungen zur großen Franz-Michael-Felder-Ausstellung im Vorarlberger Landesmuseum wurde einmal erwähnt, dass es in der Verwandtschaft nach Felder keine Schriftsteller mehr gegeben habe. Das stimmt allerdings nicht. Denn da gibt es – neben anderen – auch einen Enkel von Felder, Franz Michel Willam (1894–1981), der neben seiner Arbeit als Kaplan in Andelsbuch auch als bedeutender Autor wissenschaftlicher und literarischer Arbeiten in Erscheinung getreten ist. Mit seinem Buch „Das Leben Jesu im Land und Volke Israel“, 1933 im Herder Verlag aufgelegt, schrieb Willam auch nach heutigen Maßstäben einen Bestseller. Das Buch erreichte zehn Auflagen, erschien zudem in zwölf Sprachen. Damit war Franz Michel Willam für Jahrzehnte, bis zu den Büchern von Arno Geiger, Michael Köhlmeier oder Robert Schneider, der erfolgreichste Schriftsteller des Landes. Ähnliche Verbreitung gab es auch für „Das Leben Marias“ (1936), beträchtliche Auflagen erreichte Willam auch mit seinen vielen erbaulichen Novellen, meist mit religiösem Hintergrund, vor allem auch mit seinen landeskundlichen Schriften. Heute vor 120 Jahren wurde Franz Michel Willam in Schoppernau geboren.
Mit seinem „Leben Jesu“ erregte Willam erhebliches Aufsehen – weit über seine Zeit hinaus. Einer seiner Bewunderer war Kardinal Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., mit dem er über Jahre hinweg einen intensiven Briefwechsel führte. Ratzinger meinte, dass in Willams Buch „das Bild Jesu Christi gezeichnet wurde, wie er als Mensch auf Erden lebte, aber – ganz Mensch – doch zugleich Gott zu den Menschen trug.“ Bekanntheit erlangte Willam auch durch sein Buch über Konzils-Papst Johannes XXIII., das ebenfalls von Ratzinger als „bisher wichtigste Publikation zur Erhellung der Gestalt Johannes XXIII.“ bezeichnet wurde.
Weltweite Anerkennung fand Franz Michel Willam durch seine Forschungsarbeit zu Kardinal John Henry Newman (1801–1890). Der englische Kardinal wurde zum wichtigen Erneuerer der katholischen Kirche im 19. Jahrhundert. Willam erbrachte – damals allein auf weiter Flur – den Nachweis, dass Newman weniger von der Lehre Platos, als vielmehr von jener Aristoteles’ beeinflusst war. Eine Position, die später von der Wissenschaft übernommen wurde. Alles Gründe genug, heute an Franz Michel Willam zu denken.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
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