Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Überraschende Kulturdebatte

Kultur / 04.07.2014 • 19:58 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Seit Jahrzehnten besuche ich regelmäßig die jeweils im Juli und im Dezember stattfindende Kulturdebatte im Vorarlberger Landtag. Überraschungen kann man dabei wenige erleben. Meistens läuft die Diskussion „da Wänd noch“, es gibt also die Pflichtmeldungen und dann das Schlusswort des Kulturlandesrates. Am Mittwoch war das aber ganz anders. Nicht, dass die Kultursprecher der ÖVP und der Grünen, Christoph Winder und Johannes Rauch, uninteressant gewesen wären, auch Landesrat Harald Sondereggers Rückblick auf sein erstes Jahr in dieser Funktion war durchaus entsprechend. Aber als Gabriele Sprickler-Falschlunger (SPÖ) ans Rednerpult trat, war das Thema dieser Debatte besetzt – und die Aufmerksamkeit der nach etwa zwölf Stunden Landtag schon etwas müden Abgeordneten geweckt.

Geschickt führte sie über kulturelle Darbietungen in der Palliativstation in Hohenems zu ihrem eigentlichen Thema. Und das waren nicht so sehr die musikalischen oder anderen künstlerischen Beiträge, das war viel mehr die Palliativstation selbst. Sprickler-Falschlunger ist Ärztin, sie weiß also, wovon sie spricht, wenn sie diese Station lobt. Das aber ist nur der Anlass, das wirkliche Anliegen ist Sprickler-Falschlunger, dass wir die „Kultur des Sterbens“ verloren haben. Und so funktioniert sie die Kulturdebatte zu ihrem Thema um. Die Palliativstation ist für viele Patienten der letzte Aufenthalt. Es ist also wichtig, dass sie besondere Zuwendung bekommen, dass sie schmerzfrei gehalten werden und dass ihnen das Gefühl vermittelt wird, dass das Leben lebenswert ist bis zum letzten Augenblick. Es war beeindruckend, wie sich Gabriele Sprickler-Falschlunger für ihr Anliegen einsetzte, wie sie versuchte, trotz leerer Besucherstühle und fast leerer Pressebank die Abgeordneten für ihr Thema zu interessieren. Es war ein Bekenntnis, das Sprickler-Falschlunger am Rednerpult ablieferte, das Bekenntnis einer Ärztin, einer engagierten Frau und Abgeordneten.

Von solchem Einsatz zeigte sich Landtagspräsidentin Gabriele Nussbaumer beeindruckt. Sie trat – was selten vorkommt – im Anschluss ans Rednerpult. Es sei richtig, meinte sie, die „Kultur des Sterbens“ müsse auch im Landtag zum Thema gemacht werden. Gelegenheit dazu wird es geben, denn die Einrichtung einer eigenen Hospizstation ist beim Land bereits in gutem Gespräch.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
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