Von Reden und Nicht-Inhalten
Maßstab für die Bewertung der Eröffnung der Bregenzer Festspiele ist auch die Qualität der Reden, genauer: der Redner. Natürlich macht die Inszenierung von David Pountney seit Jahren immer wieder wirklich Spaß, natürlich sind die musikalischen Einlagen immer wieder großartig, diesmal waren sie geradezu umwerfend. Sie machen auch Appetit auf die kommenden Festspiel-Aufführungen. Trotz allem: Die Reden sind entscheidend. Und da hatten diesmal zwei etwas zu sagen, einer aber wollte möglichst wenig sagen.
Festspielpräsident Hans-Peter Metzler vergaß neben seinem Lob für Intendant David Pountney nicht, den Bund mit Nachdruck auf seine Verpflichtungen gegenüber den Bregenzer Festspielen hinzuweisen, Bundespräsident Heinz Fischer brachte Pountney zu seiner letzten Saison neben Ehrerbietung auch einen großen Kulturorden mit. Beiden wussten, was ihre Aufgabe bei dieser Eröffnung war – und sie entledigten sich ihrer mit Bravour.
Solches kann man von Kunstminister Josef Ostermayer nicht sagen. Von ihm hätte man sich grundsätzliche kulturpolitische Aussagen erwarten dürfen, man hätte von ihm auch gerne gehört, warum die Subvention der Bregenzer Festspiele vom Bund seit zwei Jahrzehnten (man glaubt es kaum!) nicht mehr erhöht, nicht einmal der Inflation angepasst wurde. Kein Wort davon. Zu diesem Thema, zur Finanzierung der Festspiele in der Zukunft, schwieg der Herr Bundesminister. Und das ist, gelinde gesagt, ein Skandal. Denn der Kunstminister ist nicht zuletzt verantwortlich für die ausreichende Ausstattung von Kultureinrichtungen, er hat sich dafür in der Bundesregierung einzusetzen, hat geradezu gegen den Finanzminister dafür zu kämpfen. Denn das Problem ist: Da die Festspielsubvention von Bund, Land und Stadt Bregenz nach einem fixen Schlüssel (40 zu 35 zu 25 Prozent) gemeinsam getragen wird, heißt eine Nicht-Erhöhung des Bundes, dass auch Land und Stadt nicht erhöhen können. Das aber interessiert Herrn Ostermayer nicht, er meint vielmehr, dass man „in Zeiten wie diesen“ dankbar sein müsse, wenn die Subventionen nicht gekürzt würden. Dass ihm das nicht eingefallen ist, als er noch Staatssekretär im Bundeskanzleramt war und man im Bund die Parteien- und Klubfinanzierung von 2012 auf 2013 um 15,4 Prozent erhöht hat, zeigt, dass Parteien- vor Kulturdenken geht. Und das ist eigentlich unerträglich.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.
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