Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Das Abendland wird bestehen

Kultur / 03.10.2014 • 20:34 Uhr

Als sich Landeshauptmann Markus Wallner eine Woche nach der Wahl zur Fortführung der Verhandlungen mit den Grünen entschloss und damit auch Parallelverhandlungen mit den Freiheitlichen ausschloss, gingen die großen Diskussionen los. Ob das wohl gut gehen könne, war eine der Fragen, ob Grün und Schwarz in ihrer Grundhaltung nicht zu unterschiedlich seien eine zweite. Schließlich wurde auch darüber debattiert, ob die Verlässlichkeit des jeweiligen Partners gegeben sei. Eine erstaunliche Anzahl auf beiden Seiten aber meinte, dass man dieses Wagnis gehen sollte. Immerhin gebe es inzwischen genügend Beweise, dass diese politische Farbkombination ziemlich in Mode gekommen sei. Man müsse ja nur die Bundesländer ostwärts von uns, von Wien aus die sogenannte „Westachse“, genauer betrachten. Dann wisse man, dass es – zu sehen etwa am Beispiel Oberösterreich – eine ganz hervorragende Zusammenarbeit auch über längere Zeit geben könne.

Als der Entschluss von Markus Wallner bekannt wurde, ging von den beiden „Restparteien“ im Landtag – die Neos seien hier ausgeklammert – das große Geheule los. Da wurde von Dieter Egger schlichtweg der Untergang des Abendlandes heraufbeschworen, die Schwarzen rückten, so die Freiheitlichen, immer mehr nach links, die Wirtschaft werde Schaden nehmen, es werde deshalb jetzt viel mehr Arbeitslose geben. Überhaupt sei diese Entwicklung eine Katastrophe für das Land und würde uns alle ins Unglück führen – und das wäre nur durch eine Koalition der ÖVP mit der FPÖ vermieden worden. Da sehe man auch, wie verantwortungslos die ÖVP inzwischen sei. Auch Michael Ritsch, der nach der Wahl meinte, seine Zwerge hätten immerhin bewirkt, dass die SPÖ ihre Klubstärke behalten habe, sparte nicht mit Kritik an der neuen politischen Modefarbe in Vorarlberg. Der Spagat, den die Grünen hinlegen müssten, um als Koalitionspartner infrage zu kommen, sei schon peinlich, meinte Ritsch. Das zeige sich schon darin, dass Grünen-Chef Johannes Rauch ganz schnell von wesentlichen Positionen abgerückt sei.

In absehbarer Zeit werden wir sehen, wie sich die neue politische Entwicklung in Vorarlberg in konkreten Umsetzungen niederschlagen wird. Die Welt, so dürfen wir annehmen, wird bestehen bleiben. Und das Abendland wird auch nicht untergehen. Und das ist doch schön.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.