Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Weltkunst mit Blumen

Kultur / 28.11.2014 • 20:10 Uhr

Es war nicht beabsichtigt, trotzdem muss ich mich jetzt mit etwas auseinandersetzen, das ich eigentlich liegen lassen wollte. Aber es ist so viel geschehen, dass man nicht mehr am Thema vorbeigehen kann. Es geht um ein Buch: „Wilde Blumen – Alte Meister“ von Rudolf Sagmeister, hauptberuflich Kurator im Kunsthaus Bregenz, erschienen im Bregenzer Verlag von Rita Bertolini. Es ist ein besonders schönes Buch, sorgsam gearbeitet, schöne Grafik, schöne Schrift. Bescheiden ist nur der Inhalt.

Das Prinzip ist schnell erklärt: Sagmeister hat knapp 60 Bilder von großen Meistern der Kunst genommen, denen er jeweils eine Blume oder Pflanze zugeordnet hat. Die Blumen aber werden nicht separat behandelt, sie stehen vielmehr „im Bild“, verändern damit auch das Bild. Enthalten sind Bilder von Weltrang, etwa Sandro Botticellis „Geburt der Venus“, der natürlich eine Lilie zugeordnet ist, oder Piero della Francesca, dessen Porträt der Battista Sforza durch die zugefügte Zucchini-Blüte eher fragwürdig erweitert wird.

Die Frage, warum hohe Weltkunst (Bilder also, die fast alle kennen) solches erleiden muss, wird nicht beantwortet.

Natürlich steht es jedem Menschen frei, ein Buch seiner Vorstellung zu machen. Das gilt selbstredend auch für den Kurator des Kunsthauses. Die Fragen erheben sich aber, wenn man sieht, welche Öffentlichkeit dieses Buch erfährt. Da gibt es eine Präsentation in der inatura (in den Räumen des Kunstraums Dornbirn), kurz darauf eine zweite Präsentation im Landesmuseum in Bregenz. Zudem erscheinen Auszüge mit Bildern aus dem Buch in der Zeitung, es gibt eine ausführliche Besprechung und eine Fernsehberichterstattung. Und nicht zuletzt hat die Direktorin des Kunsthistorischen Museums in Wien, Sabine Haag, ein Vorwort geschrieben.

Man darf nicht nur, man muss ganz einfach fragen, ob solche Aufmerksamkeit auch einem Projekt zuteil geworden wäre, das nicht vom Kurator des Kunsthauses Bregenz gemacht worden wäre. Der Verdacht, dass dem nicht so ist, ist groß. Ganz offensichtlich wurde hier nicht der Großartigkeit des Produkts, sondern der Bekanntheit des Autors der Hof gemacht.

Solche Behandlung in den Medien und Institutionen würden sich andere Autoren, Künstler oder Verlage auch wünschen. Die bekommen sie aber nicht, da können sie warten, bis sie schwarz werden.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen.