Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Direkter Angriff auf Demokratie

Kultur / 09.01.2015 • 20:14 Uhr

Die Pressefreiheit ist eine der wichtigsten Errungenschaften in einer funktionierenden Demokratie. Und genau darauf, auf die Pressefreiheit und damit auf die Demokratie, zielten die brutalen Attentäter von Paris. Das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ hatte in den letzten Jahren so ziemlich alles, was den Menschen heilig sein kann, lächerlich gemacht, die Karikaturisten des Blattes zeigten keinerlei Ehrfurcht vor Thronen, Präsidenten oder religiösen Führern. Sie verloren die Furcht auch nicht, als vor einigen Jahren ein Brandanschlag auf die Redaktion verübt wurde. Nun muss man das alles nicht mögen, was in diesem Blatt zu lesen war und zu sehen ist, man kann das auch ablehnen. Aber eines kann man nicht: Solche – oder auch andere – Blätter verbieten. Schon gar nicht darf man mit Gewalt vorgehen, weil einem irgendwelche Themen nicht passen. Die „Gotteskrieger“ nehmen auf solche demokratische Einwände keine Rücksicht, sie greifen zur Kalaschnikow und ballern auf die Menschen los.

Nur möge man aber bei uns vorsichtig sein mit der Verdammung des Islam. Es ist noch nicht so lange her, da wurden Menschen in der NS-Diktatur wegen ihrer rassisch-religiösen Herkunft von Staats wegen millionenfach ermordet; wenige Jahrhunderte früher, vom 13. bis zum 18. Jahrhundert wurden Andersgläubige und Kritiker von der Inquisition der Katholischen Kirche auf den Scheiterhaufen Europas verbrannt; im 18. Jahrhundert erging es den Wiedertäufern nicht viel besser. Einfach gesagt: Immer wenn scheinbar im Namen Gottes oder Allahs gekämpft wird, dann sind der Brutalität keine Grenzen gesetzt.

Aber nicht nur religiösen Fanatikern ist die Pressefreiheit ein Dorn im Auge, auch den Demokratien, die die Freiheit zu verteidigen vorgeben. Man kann bei „Reporter ohne Grenzen“ nachlesen: „Selbst Staaten wie die USA und Großbritannien rücken investigative Journalisten und ihre Hinweisgeber mittlerweile in die Nähe des Terrorismus. Dass Länder mit einer langen Tradition freier Medien in ähnliche Sicherheitsreflexe verfallen wie Diktaturen, ist unerträglich. Das macht nicht zuletzt all jenen kritischen Journalisten das Leben schwer, die in autoritären Staaten ihre Freiheit und Gesundheit aufs Spiel setzen.“ Also: Die Pressefreiheit ist zu verteidigen – an allen Orten und gegen alle Angriffe, politische ebenso wie terroristische.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.