Die ernste Seite des Faschings
Als am vergangenen Donnerstag der Bregenzer Bürgermeister vom Faschingsprinzen abgesetzt wurde, stand mitten im Geschehen Mandy Strasser. Er ist der Obmann des Vereins Ore Ore Kinderfasching, ein Mann gestandenen Alters, waschechter Bregenzer und ganz offensichtlich noch immer ein richtiger „Fasnatbutz“. Ich habe ihn bewundert, wie er in seinem Altprinzenanzug (im Jahr 1976, vor fast 40 Jahren also, war er Faschingsprinz) zum Rechten sah und ganz offensichtich der ruhende Pol im allgemeinen Getümmel war. Bewundert aber habe ich ihn nicht, weil er alles im Griff hatte, sondern weil er sich das alles noch antut, weil er den Kinderfasching in Bregenz in das Zentrum seines Jahreskreises stellt. Denn Ore-Ore-Obmann ist ein Ganzjahresjob. Und in der Faschingszeit ist es wochenlang unbezahlte Ganztagsarbeit.
Es ist doch erstaunlich, es ist aber auch höchst erfreulich, dass es eine ganze Reihe solch gestandener Männer gibt, die alljährlich den Bregenzer Kinderfasching auf die Beine stellen, organisatorisch und nicht zuletzt auch finanziell. Die sich auch nicht scheuen, immer wieder die Faschingszeitung, den „Schnorrapfohl“, herauszugeben, obwohl es jedes Jahr aufs Neue heißt, dass der alte „Schnorrapfohl“ viel besser gewesen sei. Heuer haben sie der Faschingszeitung eine Festschrift beigelegt, denn in Bregenz feiert man 150 Jahre Kinderfasching. Es ist eine interessante Dokumentation, in der sich nicht nur alle bisher 59 Faschingsprinzen mit ihren Prinzessinnen finden, es wird auch an die frühen Originale des Bregenzer Faschings erinnert, an Kaspar Hagen, den legendären Bregenzer Heimatdichter etwa, oder an „Wießaritars Tonele“ und Karl Bickel, den legendären Momele-Onkel. Nicht zuletzt ist jetzt endlich auch geklärt, woher der Ausdruck Ore Ore kommt – zumindest für die, die die Festschrift lesen.
Der Fasching in Bregenz hat viel Tradition, zu der auch Walter Gasser, ehemaliger Kinderdorfleiter, gehört, der vor mehr als einem halben Jahrhundert selbst Prinz war, und seither alljährlich mit seinen Gedichten in Bregenzer Mundart (wer kann die denn sonst noch?) am Beginn des Faschings steht. Also: Man möge nicht über jene lachen, die sich hier einbringen, sondern ihnen dankbar sein, dass sie das alles für die Kinder auf die Beine stellen. Selbst würde man es nämlich nicht machen. Ich jedenfalls nicht.
Der Obmann des Vereins Ore Ore Kinderfasching ist ganz offensichtlich noch immer ein richtiger ,Fasnatbutz’.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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