Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Neues Haus für Schönenbach

Kultur / 06.03.2015 • 20:51 Uhr

Seit Jahrzehnten besuche ich regelmäßig das wunderbare Vorsäß Schönenbach. Seine Lage ist einmalig, nach der Fahrt durch ein oft schroffes Tal öffnet sich eine liebliche Landschaft, verstreut Bauernhäuser, in der Mitte eine Kapelle und – zur Vorsäßzeit – rundum Vieh auf der Weide, im Hintergrund die Gottesackerwände und der Hohe Ifen. Ein geradezu unglaubliches Bild, das mir immer wieder in Erinnerung ruft, dass es die Bauern waren, die uns dieses Kleinod über Jahrhunderte erhalten haben. Sie haben – ganz ohne Denkmalschutz – dazu- geschaut, dass da kein Wildwuchs betrieben wird, dass nicht jeder baut, wo und wie er will. Im Genossenschaftsvertrag ist etwa geregelt, dass die bestehende Anzahl der Häuser nicht vermehrt werden darf. Das bedeutet, dass jeder, der ein neues Haus bauen will, zuerst das alte abbrechen muss. Und gebaut werden darf nur, wie in Schönenbach seit jeher gebaut wurde.

Als das alte Jagdhaus abgebrochen und neu gebaut werden sollte, war ich einigermaßen skeptisch. Vor allem auch, nachdem klar war, dass hier nun auch Winterbetrieb herrschen und Gästezimmer vermietet werden sollen. Mein Verdacht erhärtete sich, als ich im Frühjahr einen Rohbau sah, an dem vor allem die Betonteile beherrschend waren. Mir war schon klar, dass das alles hinter Holz verschwinden würde, mein mulmiges Gefühl aber blieb. Bis ich vor einiger Zeit, an einem traumhaften Wintertag, nach Schönenbach kam.

Ich war erstaunt: Das neue Gasthaus steht richtig, es entspricht auch in seiner Größe und trägt den Charakter eines Wälderhauses, bei dem links vom Eingang der Wohntrakt und rechts der Wirtschaftsteil steht. So auch hier, angedeutet in der unterschiedlichen Holzverkleidung. Mit Ausnahme eines Teils bei den Garagen zeigt sich das Haus stimmig und den anderen Häusern in Schönenbach angemessen. Auch meine Befürchtung, dass es zu groß, zu hoch, zu mächtig werden würde, hat sich nicht bewahrheitet. Ich denke, dass es mehr als das bisherige Jagdhaus dem Vorsäß und den anderen Häusern entspricht. Nicht zuletzt zeigt auch das Innenleben, dass hier die kenntnisreichen Handwerker der Region beschäftigt wurden, dass die Details stimmen und dass man sich folgerichtig in diesem Haus wohlfühlen kann. Einmal abgesehen davon, dass auch die Qualität der Käsknöpfle nicht nachgelassen hat, eher noch gesteigert wurde.

Das neue Gasthaus steht richtig, es entspricht auch in seiner Größe und trägt den Charakter eines Wälderhauses.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.