Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Kunst als Teil des Konzepts

Kultur / 13.03.2015 • 18:53 Uhr

Vorgestern war ich mit meiner Frau auf einem Konzert, das uns nicht nur gefallen, sondern das uns geradezu berührt hat. Im „Hirschen“ in Schwarzenberg präsentiert Hotelier Franz Fetz mit „wälderness“ seit Jahren ein besonderes Programm: Lesungen und Konzerte vom Feinsten, verbunden mit bestem Essen. Am Donnerstag traten Vater und Sohn, Anton und Philipp Lingg, auf. Ohne Verstärkung, nur mit Gitarre und Stimme, besetzten sie den Hirschen-Saal bis in den letzten Winkel. Es war ein emotionaler Auftritt, war Philipp doch erstmals seit drei Monaten wieder zu hören. Die Art, wie Vater und Sohn aufeinander eingingen, wie sie miteinander umgingen, wie sie Freude zu haben schienen am gemeinsamen Tun – das hatte Seltenheitswert. Und übertrug sich auch auf das Publikum.

Kunst als Teil eines Konzeptes findet man auch in anderen Häusern, etwa in der „Krone“ in Hittisau, wo Helene und Dietmar Nussbaumer Leseabende oder auch philosophische Tage anbieten. Ganz besonders hat es mir – neben dem außerordentlichen Essen – die kleine „Edition Krone“ angetan. Ein Titel vereinigt zwei große Wälder: Den Mundartdichter Kaspar Troy und den Künstler Leopold Fetz, von dem übrigens auch viele Bilder ständig im Haus zu sehen sind. Eine Edition bringt die Geschichte und den hervorragenden Umbau des Hauses, in einer anderen, „Am Herd“, findet man Rezepte und Geschichten, und schließlich sind in „Zu Fuß“ kurze, interessante Eindrücke von Menschen gesammelt, die zu Fuß in und um Hittisau unterwegs waren.

Schließlich die „Krone“ in Au mit ihrem Patron Walter Lingg, der nicht nur Hotelchef, sondern auch Führer im Sommer und Winter ist. Ganz besonders aber liegt ihm die Kultur am Herzen. Einmal wöchentlich geht er mit seinen Gästen durchs Dorf, erklärt ihnen das Wälderhaus und andere Eigenarten des Bregenzerwaldes, kommt natürlich auf die Barockbaumeister aus der „Auer Zunft“ zu sprechen und endet in der Barockkirche in Au, wo auch noch ein Orgelkonzert stattfindet.

Ich weiß schon, man muss solche Angebote nicht schaffen, aber ich denke, dass es nichts gibt, das die Gäste – und in vielen Fällen auch die Einheimischen – mehr schätzen, als solche kleine Kostbarkeiten. Vor allem aber bereichern sie das kulturelle Leben, weil sie etwas präsentieren, das andere nicht leisten können. Und das ist doch wunderbar.

Vor allem aber bereichern sie das kulturelle Leben, weil sie etwas präsentieren, das andere nicht leisten können. Und das ist doch wunderbar.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.