Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Wunderbare Tage in Bregenz

Kultur / 24.07.2015 • 20:46 Uhr

Seit Jahrzehnten besuche ich die Bregenzer Festspiele – und trotzdem haben diese ersten Tage des Festivals noch nichts von ihrem Zauber verloren. Seit der Intendanz von Alfred Wopmann, die mit der „Zauberflöte“ 1985 ihren ersten Höhepunkt fand, haben die Festspiele einen bisher ungebremsten Höhenflug angetreten. Und immer wieder ist es der Auftakt, der die Besucher in seinen Bann zieht. Da mag manches Schau sein, da mag der Aufwand auf dem Symphonikerplatz riesig sein – der Menge gefällt’s offenbar, den Bundespräsidenten vor den Spalier stehenden Soldaten zu „besichtigen“. Mich erfreut die jährlich gleiche Abfolge: Zuerst die Eröffnung, dann die erste Premiere am Abend, diesmal „Turandot“ am See, am nächsten Tag eine Schiffsausfahrt mit der „Hohentwiel“ und wieder am Abend die zweite Premiere, heuer „Hoffmanns Erzählungen“. Dazwischen Begegnungen mit vielen Menschen, die man das ganze Jahr nie oder nicht mehr sieht, Essen und Trinken mit Freunden – schlichtweg zwei Festtage.

Das alles ist natürlich nur deshalb von Freude, weil es den Rahmen für die Eröffnung und die künstlerischen Ereignisse darstellt. Die diesjährige Eröffnung hat mir dank der stärkeren Konzentration auf die Reden mehr als bisher entsprochen. Alle Redner – Festspielpräsident Hans-Peter Metzler (übrigens der beste Metzler, den ich bisher gehört habe), Kulturminister Josef Ostermayer und Bundespräsident Heinz Fischer – haben dabei auf die besondere Rolle von Kultur und Kunst in politischen und menschlichen Anliegen aufmerksam gemacht. Die Bewertung der beiden großen Opern scheint mir unterschiedlich. Bei „Turandot“ bin ich mir nicht sicher, ob die großen Erwartungen, die die Seeaufführung als „Cash-Cow“ der Festspiele erbringen muss, erfüllt werden. Zu wenig scheinen mir die Möglichkeiten der riesigen Bühne genutzt, vordergründig, fast schon kitschig der Einsatz der riesigen Projektionsscheibe. Ob das wohl zwei Jahre hält? Hingegen habe ich selten ein Ereignis wie Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ im Festspielhaus gesehen. Die Regie von Stefan Herheim setzte die Musik in einer Art um, die mich begeisterte – und auch das Publikum, das auch den bestens gelaunten Wiener Symphonikern und den Sängern stehende Ovationen brachte.

Wie gesagt: Es waren wieder einmal zwei wunderbare Tage, die die Bregenzer Festspiele bescherten. Und wir können davon ausgehen, dass diesen Ereignissen noch einige andere folgen werden.

Und wir können davon ausgehen, dass diesen Ereignissen noch einige andere folgen werden.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.