Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

,,Die Möglichkeit zu überleben“

Kultur / 31.07.2015 • 20:44 Uhr

Die Stadt Bregenz setzt ihre Tradition von großen Sommerausstellungen fort. Was vor Jahrzehnten vom früheren Kulturamtsleiter Oscar Sandner begonnen wurde – gerne erinnern wir uns mehrerer Barockausstellungen, der Englischen Kunst der Gegenwart oder auch der Römer-Ausstellung –, das wird seit einigen Jahren mit viel Engagement von Thomas Schiretz vom Kulturamt fortgesetzt. In diesem Jahr wäre der Bregenzerwälder Maler, Zeichner und Holzschneider Leopold Fetz hundert Jahre alt geworden – Anlass genug für die größte Ausstellung seines Werkes im Bregenzer Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis.

Kurz vor seinem Tod vor drei Jahren war ich mit meiner Frau zum letzten Mal in seinem Atelier in der Bregenzer Kennelbacherstraße. Ich wollte unbedingt noch einen großen Holzschnitt kaufen, eine Kuhherde. Es war eine beglückende letzte Begegnung, Leopold war bester Laune, erzählerisch aufgelegt und oft mit seinem bekannten, etwas hintergründigen Lächeln. Vieles, was wir damals gesehen haben, ist uns jetzt in der Ausstellung wieder begegnet. Selten aber ist mir vorher so aufgefallen, wie wichtig seine frühe Umgebung, wie wichtig der Bregenzerwald für Leopld Fetz zeit seines Lebens war. Immer wieder finden sich Motive aus der Heimat, nicht genau definiert mit Häusergruppen, Kühen, Pferden, oder mit den bekannten Bergen, vornehmlich der Mittagsspitze.

Leopold Fetz war ein großer Maler und Zeichner, vielleicht ein noch größerer Holzschneider. Im Holzschnitt ist die Reduzierung notwendig, die für ihn so typisch war, die vor allem in den ländlichen Motiven vor zu ausgeprägter Realität bewahrte. Schön zu überprüfen ist das an den Holzstöcken, in die Fetz seine Bilder „gezeichnet“ hatte. Dass ihm aber nicht nur seine Heimat wichtig war, zeigen die wunderbaren Reisebilder, die in der Ausstellung ihren gewichtigen Platz finden. Fetz war ein Vielreisender, vor allem in den Süden. Reisen hieß aber für ihn auch zeichnen, malen. Selbst in bedrängter Situation. Im Kriegsdienst bezeichnete er das Malen als „einzige Möglichkeit zu überleben“, wie im ausgezeichneten Katalog nachzulesen ist.

Mit einem Film führt die Ausstellung über die eigene Möglichkeit hinaus und zeigt öffentliche Arbeiten von Leopold Fetz, Wandmalereien, Glasfenster oder Graffiti auf Häusern. Damit kann man tatsächlich ein wunderbares Gesamtbild vom beeindruckenden Werk erhalten.

Leopold Fetz war ein großer Maler und Zeichner, vielleicht ein noch größerer Holzschneider.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.