Keine Waffen am Bodensee!
Manchmal kommen von bekannten Menschen vernünftige Aussagen. So schloss sich vor einigen Tagen auch das
österreichische Aushängeschild im Skisport, Marcel Hirscher, einer Aktion in Sachen Flüchtlinge an. Dabei nahm er klar gegen Fremdenhass Stellung und schrieb im Internet: „Say it loud, say it clear, refugees, you’re welcome here! (Sag es laut, sag es klar, Flüchtlinge, ihr seid willkommen hier!)“. Ein schöner Satz, der inzwischen weltweit verbreitet wird – und damit vielleicht doch ein wenig in den Köpfen der Menschen ankommt.
Immer mehr aber wird die Frage gestellt, woher denn all dies Leid der Flüchtlinge in der Welt kommt. Die Antworten sind nicht einfach, aber natürlich sind die Kriege und Terroristen – derzeit vor allem im Norden Afrikas – entscheidend. All das ist aber nur möglich, weil diesen wahnsinnigen Diktatoren und Terroristen Waffen in die Hände gegeben werden, die sie dann gegen die Menschen richten. Und diese Waffen werden auch irgendwo produziert, nicht, um Arbeit zu schaffen, sondern um Geld zu verdienen. Viel Geld. Blutgeld. Die ganz Großen in diesem Geschäft sind Amerika, Russland, China und andere große Staaten, in Europa vor allem Frankreich, England und Deutschland. Und nicht zuletzt die Region um den Bodensee.
Auf einer Karte der Schweizer „Wochenzeitung“ sind mehr als ein Dutzend Waffenschmieden aufgezeichnet, die ihre Vernichtungsmaschinen rund um den beschaulichen See herstellen. Das beginnt gleich nach der Grenze in Lindau, führt – neben anderen Stationen – über Friedrichshafen, Überlingen, Konstanz, Kreuzlingen oder Altenrhein wieder bis zu unserer Grenze. Einzig der Vorarlberger Teil des Sees ist sozusagen „waffenfrei“.
Aber wohl nicht, weil wir besonders charakterfest sind und solche Produktion ablehnen, sondern ganz einfach, weil sich hier nie so eine Industrie gebildet hat. Fast alles, was gegen Menschen zum Einsatz kommt, wird als Ganzes oder in einzelnen Bestandteilen rund um den See produziert, schwere Waffen wie Panzerfahrzeuge, Hubschrauber oder Drohnen ebenso wie Granatwerfer, Gewehre oder feines technologisches Material, das punktgenaue Vernichtung ermöglicht. Wenn wir also gegen Krieg sind, damit auch dem Flüchtlings-Unglück gegensteuern wollen, dann sollten wir auch unsere so schöne Region frei von Waffenproduktion halten. Irgendwo muss man ja schließlich anfangen.
Ein schöner Satz, der inzwischen weltweit verbreitet ist – und damit vielleicht doch ein wenig in den Köpfen der Menschen ankommt.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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