Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Hier kann man Geschichte lesen

Kultur / 12.02.2016 • 16:48 Uhr

Der Hinweis auf dieses Buch hätte eigentlich schon vor Weihnachten erscheinen sollen. Allerdings war damals der Universitätsverlag Wagner in Innsbruck nicht in der Lage, den dritten Band der neuen Landesgeschichte – „Das Land Vorarlberg 1861 bis 2015“ von Meinrad Pichler – auszuliefern. Man hatte das Interesse der Menschen an diesem historischen Titel schlichtweg unterschätzt und zu wenig gedruckt. Dabei hätte man aufgrund früherer Publikationen wissen können, nein, wissen müssen, dass Pichler eine große Leserschaft hat. Jetzt endlich ist der Titel wieder in den Buchhandlungen lieferbar.

 

Mit den ersten zwei Bänden von Alois Niederstätter, die „Vorarlberg im Mittelalter“ und „Vorarlberg 1523 bis 1861“ behandeln, liegt nun die gesamte „Geschichte Vorarlbergs“ vor. Dass es dem Direktor des Landesarchivs, Alois Niederstätter, als Gesamtverantwortlichem gelungen ist, Meinrad Pichler für den letzten, die Neuzeit bis zur Gegenwart behandelnden Band zu gewinnen, ist ein Glücksfall. Denn Pichler ist in den letzten Jahren längst zum wesentlichsten Erklärer und Erzähler der neueren und neuesten Geschichte des Landes geworden. Man denke etwa an Titel wie die „Auswanderer in die USA“ (Vorarlberger Autoren Gesellschaft 1993), dann „Quergänge“ (Bucher Verlag 2007) mit ungewöhnlichen Vorarlberger Biografien, zuletzt das schon zum Standardwerk gewordene „Nationalsozialismus in Vorarlberg“ (Studienverlag 2010). Immer hat Pichler dabei Geschichte in Geschichten erzählt. Und es ist schon höchst erstaunlich, dass sich bei der Lektüre der neuesten Landesgeschichte keine textlichen Wiederholungen finden.

 

Der Beginn der Betrachtung mit dem Jahr 1861 ist natürlich nicht willkürlich gewählt, sondern mit dem ersten eigenen Vorarlberger Landtag begründet. Und von diesem Datum an kann man unsere Geschichte durchgehend lesen, lesen wie einen Roman. Das ist seit inzwischen mehr als vierzig Jahren (1982 erschienen die von Pichler herausgegebenen „Nachträge“) das Qualitätsmerkmal seiner Bücher: Sie sind keine Nachschlagewerke (was sie aber auch sein können), sondern vielmehr Lesebücher. Schließlich fällt auf, dass man in Pichlers Landesgeschichte kaum Fotos findet, die man schon einmal gesehen hat. Offenbar war das Bemühen, möglichst unveröffentlichtes Bildmaterial zu verwenden. Das ist gelungen – wie so vieles andere in diesem Buch.

Pichler ist längst zum wesentlichsten Erklärer und Erzähler der Geschichte des Landes geworden.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.