Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Vorbereitung als gute Chance

Kultur / 11.03.2016 • 23:10 Uhr

Vor Kurzem wurde ich von einem hochrangigen Vertreter der Vorarlberger Kulturadministration gefragt, wie denn eigentlich meine Position zu einer möglichen Bewerbung Vorarlberger Städte zur Europäischen Kulturhauptstadt sei. Meine Antwort kam ziemlich schnell, war aber trotzdem nicht aus klarer Überlegung, vielmehr eher aus dem Bauch gegeben. Ich meinte, dass ich es für das Beste halten würde, wenn man sich bewerben würde, wenn man den Prozess der intensiven Gespräche unter den Städten des Landes und in der Region weiterführen würde – und dann nicht mit dem Titel Europäische Kulturhauptstadt gekürt würde. Was so schnell gesagt wurde, finde ich nun auch nach besserer Überprüfung richtig.

 

Die Vorarlberger Städte, dazu der Bregenzerwald und Städte am Bodensee, sind in einem Kontakt, wie es ihn in der Form noch nie gegeben hat. Man trifft sich regelmäßig, man redet über das, was der eine tut, was der andere anders macht, auch darüber, wohin man eigentlich will. Vor allem aber redet man auch miteinander, sogar darüber, was man auch gemeinsam machen könnte. Ein Beispiel dafür war das vor Kurzem abgehaltene Symposion in Bregenz. Zwar hat es früher, in den Siebziger- und Achtzigerjahren, immer wieder auch Kontakte über die Grenze gegeben, Künstler von jenseits wurden beispielsweise auch diesseits ausgestellt – und umgekehrt.

 

Man kannte sich, man schätzte sich. Das ist interessanterweise mit der EU, mit dem Wegfall der Grenzen, praktisch zum Stillstand gekommen. Heute kennt man sich nicht mehr oder kaum mehr. Und die Kultursektion der Internationalen Bodenseekonferenz war bis vor Kurzem auch kaum wahrnehmbar. Bis im vergangenen September in Bregenz ein großes Mundarttreffen stattfand, bei dem tatsächlich Begegnungen über die Grenze stattfanden, das damit auch Hoffnung für die Zukunft gab.

 

Aber auch in Vorarlberg selbst war es ja nicht so, dass sich die Städte oder Regionen zu besonderer Zusammenarbeit drängten. Vielmehr lebte man ein Konkurrenzdenken, das manchmal auch kuriose Formen annahm. Mehr Kontakt untereinander, mehr Gespräch miteinander kann also der Sache nur guttun. Und wenn am Ende herauskommt, dass man gar nicht Kulturhauptstadt werden will oder kann, dann war der Prozess dennoch lehrreich. Und er könnte auch ohne solchen Druck fortgesetzt werden. Zum Wohle der Kultur in der ganzen Region.

Und wenn am Ende herauskommt, dass man gar nicht Kulturhauptstadt werden will oder kann, dann war der Prozess dennoch lehrreich.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.