Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Bregenz als Lebensthema

Kultur / 27.05.2016 • 19:44 Uhr

Walter Lingenhöle war einer der ganz Wenigen, die den alten Bregenzer Dialekt noch sprechen konnten. Den Dialekt von Kaspar Hagen, des Bregenzer Arztes und Mundartdichters, der eines der bekanntesten Vorarlberger Lieder – „O Hoamatle“ – geschrieben hatte. Er hat auch selbst Mundartgedichte geschrieben, daneben wissenschaftliche Arbeiten zu Dialekt und Hochsprache, er war Buchhändler, Verleger und auch eines der wenigen Originale in der Landeshauptstadt. „Tasso“ wurde er von seinen Freunden genannt. Walter Lingenhöle ist vor wenigen Tagen gestorben – und mit ihm ein Stück des alten Bregenz, das er in der Reihe „Bloß it vergeassa“ wieder ins Gedächtnis holen wollte.

 

Bregenz war sein wichtigstes Thema, die Stadt, die Menschen, die Sprache. Gleich mehrere Bücher hat er dazu veröffentlicht, die noch heute Standardwerke sind. Der Führer „Bregenz – Stadt, Berg, See“, der vor gut zwanzig Jahren im Eugen-Ruß-Verlag herausgekommen ist, bringt zwölf Rundgänge durch die Stadt, die einen guten Blick auf die wichtigsten Sehenswürdigkeiten bieten. Auch wenn sich manches in dieser Zeit überholt hat, nehme ich das Büchlein nach wie vor gerne zur Hand, wenn ich eine Runde mache, um Dinge zu sehen, die mir nicht mehr so präsent sind. Dann gibt es Bildbände mit Texten von Walter Lingenhöle, etwa „Bregenz am Bodensee“ mit Fotos von Bernhard Wilfing oder „Alt-Bregenz läßt grüßen“ mit alten Ansichtskarten. Diesen Titel hat er gemeinsam mit Wolfgang Rusch verfasst, jenem Kämpfer für den Bregenzer Dialekt, mit dem er auch wesentliche Teile zu „Bloß it vergeassa“ beigesteuert hat.

 

Vieles müsste man noch zu Walter Lingenhöle sagen, man müsste auf seine Tätigkeit als Verleger der gesammelten Werke von Franz Michael Felder (im Auftrag des Felder-Vereines) verweisen, ebenso auf seinen Reprint der „Gedichte in Bregenzer Mundart“ von Kaspar Hagen. Im Felder-Verein hat er auch sonst fast alle Ausgaben von Vorarlberger Autorinnen und Autoren verlegt. Er hat wesentliche Beiträge für Radio Vorarlberg verfasst, hat einschlägige Berichte für die „Vorarlberger Nachrichten“ geschrieben. Nicht immer, aber meistens ging es um seine Vaterstadt, in der er auch (lange Zeit mit seiner Schwester) „seine“ Buchhandlung betrieben hat. Er hat viel für seine Stadt getan – und deshalb sollte man auch Walter Lingen­höle „bloß it vergeassa“.

Er hat viel für seine Stadt getan – und deshalb sollte man auch Walter Lingenhöle ,,bloß it vergeassa“.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.