Ein Abend, der glücklich macht
War das doch ein fulminanter Auftakt zum Jubiläumsjahr der Bregenzer Festspiele. Schon am Vorabend der Eröffnung Mozarts Singspiel „Bastien und Bastienne“, eine besondere Erinnerung an die erste Aufführung in Bregenz vor 70 Jahren. Wieder ein Kieskahn im Gondelhafen, wieder eine kleine Bühne mit kleiner Besetzung, wieder stehendes Publikum um den Hafen. So irgendwie muss es damals gewesen sein, nur staunten damals kulturhungrige Menschen, was ein Jahr nach Kriegsende in Bregenz möglich war, diesmal gönnte man sich einen hübschen Einstig ins Programm. Trotzdem: Eine höchst erfreuliche Idee der Festspiele.
Dann die Eröffnung, die vor allem auf der musikalischen Seite beeindruckte. Ein Satz des neuen Kulturministers Thomas Drozda dürfte den Verantwortlichen bei den Festspielen, und wohl auch den Kulturveranstaltern des Landes, wohl getan haben: Bei Kunst und Kultur dürfe man sich nicht auf die Umwegrentabilität berufen, also letztlich darauf, dass sich Kunst selbst finanziere, im Gegenteil: Hier habe die Öffentlichkeit, also Bund, Land und Gemeinden, eine besondere Verpflichtung. Brav zog sich die mangels eines Bundespräsidenten zum Rednerpult gekommene Nationalratspräsidentin Doris Bures aus der Affäre; ein Hinweis darauf, dass man vielleicht auf solche Art der Eröffnung künftig verzichten könnte. Ein internationaler Mensch der Kultur, der etwas zur eigentlichen und zur grundsätzlichen Sache zu sagen hätte, wäre vielleicht sinnvoller.
Dann der Abend, dann „Hamlet“. Wobei ich zuerst festhalten muss, dass ich kein Musikkenner, schon gar kein Opernkenner bin. Ich beurteile also „nur“, ob ich von einem Ereignis gefangen bin oder nicht. Und das war ich: Gefangen, nein geradezu gefesselt. Ich war hingerissen von dieser Musik, von dieser Inszenierung, diesem Bühnenbild, dieser Choreografie, diesem Orchester und diesen Sängern. Ich kann mich kaum an einen Abend in einem Theater oder Musiktheater erinnern, der mich so in seinen Bann gezogen hat. Dass es meiner Frau, die wie ich keine Spezialistin ist, ähnlich ergangen ist, machte das Erlebnis nur umso intensiver. Wir waren ergriffen, ich am Ende der Hamlet-Tragödie geradezu erschüttert. Es war ein Abend, der uns glücklich machte, ein Geschenk, das uns die Bregenzer Festspiele bereitet haben. Also, wenn möglich, unbedingt noch anschauen!
Ein Mensch der Kultur, der etwas zur eigentlichen und zur grundsätzlichen Sache zu sagen hätte, wäre vielleicht sinnvoller.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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