Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Der schwarze, farbige Cubus

Kultur / 21.10.2016 • 18:27 Uhr

Der schwarze Cubus in Andelsbuch, das Werkraumhaus von Peter Zumthor, das längst zu zusätzlichem Architekturtourismus im Bregenzerwald geführt hat, steht plötzlich mit Farbe da. Nichts mehr von der dunklen Strenge, plötzlich ist da auch von außen Buntes zu erkennen, jedes Eck strahlt in anderer Farbe. Und innen erst, da zeigen Handwerker des Werkraums – nicht nur die bereits eingeführten, sondern auch einige neue – in bunten Kabinen ihre Arbeiten. Eine ungewohnte Art der Präsentation in diesem Haus, die auf den Vorarlberger Designer Roland Stecher zurückgeht, der hier mit seinem „Kernfarbensystem“ GOPB (Grün, Orange, Purpur, Blau) arbeitet, welches – nach Stecher – auf dem physiologischen Farbempfinden des Menschen beruht. Und so ist die Zuordnung einer Farbe zum jeweiligen Handwerker nicht zufällig, sondern genau überlegt und ausgewählt. Stecher stellt sich mit seiner Farbtheorie in eine interessante Reihe, waren es doch Leute wie Johann Wolfgang von Goethe, Johannes Itten oder Wassily Kandinsky, die schon Farbenlehren entwickelt haben. Für Stecher sind alle diese Theorien Thema, aber keine Vorbilder.

Es ist nicht die erste Ausstellung, mit der Stecher auffällt. Mit Freude erinnern wir uns der großartigen Schau zu Franz Michael Felder im vorarlberg museum in Bregenz, in der die Besucher über vorgegebene Wege zu den einzelnen Stationen geführt wurden, womit die Aufmerksamkeit auf ganz bestimmte Punkte und Ereignisse gelenkt wurde. Ganz anders, aber doch ähnlich läuft das jetzt im Werkraumhaus. Der Besucher wird durch die verschiedenfarbigen Kojen geführt, jedes ausgestellte Objekt erfährt damit die ihm gebührende Beachtung.

Bis jetzt hatte man sich eine so farbige Präsentation im Werkraum nicht vorstellen können. Zu klar war alles auf die Architektur in Schwarz und Glas ausgerichtet, Ausstellungen und Schaufensterpräsentationen ordneten sich diesem System unter. Roland Stecher knüpft mit seinem System an das Schaufenster an, nur geht ein Fenster in das andere über, der Wechsel der Ausstellungsstücke wird durch die Farbe angekündigt.

Das eigentlich Erstaunliche: Die Arbeiten der Handwerker treten durch die Farben nicht in den Hintergrund, sondern sie werden im Gegenteil noch in ihrer Wertigkeit betont. Eine Ausstellung, die aufgrund ihrer Qualität und auch aufgrund der durchbrochenen Gewohnheiten einen Besuch lohnt.

Bis jetzt hatte man sich eine so farbige Präsentation im Werkraum nicht vorstellen können.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.