Kein Dienst an der Kunst
Vor gut einem halben Jahr habe ich an dieser Stelle ein Lob an Carina Jielg ausgesprochen, die damals seit fünf Jahren die Ausstellungen im ORF kuratiert hatte. Jielg hat in dieser Zeit vielen jungen Künstlern eine interessante Möglichkeit gegeben, sich mit der spannenden Architektur des Hauses von Gustav Peichl auseinanderzusetzen. Einmal fand die gezeigte Kunst nicht die Zustimmung von Landesdirektor Markus Klement, er ließ eine Skulptur „aus Sicherheitsbedenken“ durch die Feuerwehr entfernen. Das wiederum brachte Eva Blimlinger, ORF-Publikumsrätin und Rektorin an der Akademie der bildenden Künste, dazu, eine Beschwerde einzureichen und die Befürchtung zu äußern, dass Carina Jielg „einer der zahlreichen willkürlichen Personalentscheidungen des Direktors zum Opfer fällt“. Die Angst war offensichtlich berechtigt. Carina Jielg wurde am Montag völlig überraschend und ohne weitere Begründung vom Direktor von dieser Aufgabe abgezogen. Gleichzeitig gab Klement den Künstler Harald Gfader als neuen Kurator bekannt. Und darauf hat Blimlinger wieder reagiert: „Carina Jielg war wohl zu gut, zu eigenständig und hat nicht zum Freundeskreis des Direktors gehört.“ In diesem Schreiben an Generaldirektor Alexander Wrabetz fordert sie deshalb, „dass diese Entscheidung rückgängig gemacht wird“.
Zur Klarheit: Klement darf eine solche Entscheidung fällen. Er befindet sich also im Recht. Nur: Nicht alles, was Recht ist, ist auch zulässig. Die Art, wie Carina Jielg „gefeuert“ wurde, das Negieren aller Gepflogenheiten: All das ist zwar rechtens, aber auch schlicht unanständig. Die Berufsvereinigung der bildenden Künstlerinnen und Künstler Vorarlbergs hat deshalb in einem Schreiben ihre Verwunderung über diese Vorgänge ausgedrückt.
Streiten darf man auch über die neue Besetzung durch Harald Gfader, der von Klement als „einer der interessantesten Künstler Vorarlbergs“ bezeichnet wird. Die Kunstszene des Landes aber ist über Gfader durchaus geteilter Meinung. Interessant sind auch die eigenen Angaben von Gfader, nach denen er 1988 mit dem „Preis der Stadt Wien“ ausgezeichnet worden sei – in der Liste der Preisträger findet sich allerdings kein Harald Gfader. Ebenso nicht auf der Homepage der Universität für angewandte Kunst in Wien, wo er laut Aussendung regelmäßige Gastvorlesungen hält. So darf man hoffen, dass seine Kuratorentätigkeit von mehr Seriosität getragen ist als die Aussendungen des ORF Vorarlberg.
Klement darf eine solche Entscheidung fällen. Er befindet sich also im Recht. Nur: Nicht alles, was Recht ist, ist auch zulässig.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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