Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Er klopft und klopft und . . .

Kultur / 03.02.2017 • 22:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

So steht es in einer Einladung zu einem Geburtstag. Der, der „klopft und klopft und noch immer klopft“ ist der Bildhauer Herbert Albrecht, der Anfang der kommenden Woche seinen 90. Geburtstag feiert. Und es ist tatsächlich so: Er arbeitet nach wie vor tagtäglich am Stein, er schafft ein Alterswerk, das nichts von Milde kennt, das vielmehr immer strenger und klarer wird. Eine ganz erstaunliche Sache, denn Bildhauerei, im besonderen Steinbildhauerei, fordert körperlich und geistig höchsten Einsatz.

Inzwischen sind sie ja fast ausgestorben, die Steinbildhauer. Nachdem es seit längerer Zeit in Österreich keine Ausbildungsmöglichkeit zu einer der ältesten Kunstformen der Kulturgeschichte mehr gibt – was, gelinde gesagt, ein Skandal ist –, schlägt sich das natürlich auch in der Kunstszene nieder. So etwas wie die Bildhauerschule nach Fritz Wotruba (1907–1975), zu der neben vielen Großen der österreichischen Bildhauerei auch Herbert Albrecht gehört, kann es nicht mehr geben, weil es keinen Lehrstuhl für dieses Fach mehr gibt. Bildhauerei in der traditionellen Form wird nicht mehr unterrichtet. Wotrubas Mahnung ist ungehört: „Die Wahl der Mittel, mit denen ein schöpferischer Mensch sich ausdrückt, mag zuletzt belanglos sein, doch halte ich daran fest, im Stein das einzig wahre, weil echte Material des Bildhauers zu sehen.“ Und Herbert Albrecht meint zum Stein: „Das direkte Hauen in Stein ist die schönste und schwerste Arbeit, voll von großer Spannung. Man kann lernen, den Stein zu verstehen, ihn zu begreifen in allen Bedeutungsformen des Wortes.“

Herbert Albrecht ist einer der ganz großen Bildhauer Österreichs. Die Ausstellung vor knapp zehn Jahren bei der Berufsvereinigung der bildenden Künstlerinnen und Künstler mit 25 Bildhauerkollegen hat es bewiesen. Eine neue Möglichkeit, das zu überprüfen, werden die Ausstellungen von Albrecht im Vorarlberg Museum im Sommer und im Kunsthistorischen Museum in Wien im Herbst geben. Sie werden wohl auch zeigen, wie schade es ist, dass die Steinbildhauerei langsam vom Aussterben bedroht ist. Constantin Brancusi, einer der großen Bildhauer des 20. Jahrhunderts, hat die Schwierigkeit des Künstlers so formuliert: „Das direkte Behauen des Steins ist der wahre Weg zur Skulptur, aber auch der schlechteste für die, die nicht gehen können.“ Herbert Albrecht kann noch immer gehen. Und wie.

Herbert Albrecht ist einer der ganz großen Bildhauer Österreichs. Eine neue Möglichkeit, das zu überprüfen, bieten Ausstellungen.

walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.

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