Der Dichter Max Riccabona
Es war eine gute Idee des Vorarlberg Museums, die Ausstellung „Der Fall Riccabona“ um einen Abend, der der Literatur von Max Riccabona gewidmet war, zu bereichern. Denn dieser Teil des Schaffens von Max Riccabona findet weder in der Ausstellung noch im Katalog entsprechende Würdigung. Im Gegenteil: Kurt Bracharz meint im abschließenden Beitrag zum Katalog, Max Riccabona im Allgemeinen und den Dichter im Besonderen auf eher niederträchtige Art posthum beleidigen zu müssen.
Besonders widerlich ist die abschließende Frage, ob Riccabona denn sein Verdienstzeichen um die Befreiung Österreichs vom Nationalsozialismus mit Recht erhalten habe.
Mir ist nicht klar, was die Herausgeber Peter Melichar und Nikolaus Hagen, die auch für die Ausstellung verantwortlich zeichnen, dazu verleitet hat, diesen Artikel in den Katalog aufzunehmen. Vor allem, weil das Katalogbuch sonst durchaus informativ ist.
Zurück zum Literaturabend am vergangenen Mittwoch. Ulrike Längle vom Felder-Archiv, Sigurd Paul Scheichl, ehemaliger Germanistik-Professor in Innsbruck, und der Dichter Manfred Chobot sprachen über ihre Begegnungen mit Max Riccabona. Chobot las in unglaublicher Weise die eigentlich nicht vortragbaren Texte von Riccabona. Es war schön, Max Riccabona auf diese Art wieder ins Gedächtnis zu bekommen.
Klar wurde in den verschiedenen Äußerungen auch etwas, das Gottfried Bechtold in einem Video in der Ausstellung betont: Max Riccabona war eine Kunstfigur, er stilisierte sich selbst dazu. Deshalb kann man ihn auch nicht mit üblichen Kriterien messen.
Er hat sich, wenn er erzählte, aus seinem Leben ebenso bedient wie er dieses Leben mit Anekdoten angereichert hatte. Wichtig war nicht, ob sich alles so abgespielt hatte, wichtig war, dass und wie Max Riccabona es vorgetragen hat.
Max Riccabona und das Leben seiner Familie (die das eigentliche Thema ist) werden in der Ausstellung, durch die Roland Stecher und Thomas Matt mit ihrer Gestaltung kenntnisreich führen, auch als Beispiel der unglücklichen und verbrecherischen Umstände dieser Zeit gezeigt. Es gibt viele beeindruckende Fotos, vieles zu lesen, und am Schluss, wenn unzählige, vor allem unwichtige Stücke aus dem Keller und Dachboden der Familie angehäuft werden, auch vieles zu sehen.
Leider nicht die Collagen von Max Riccabona, denn die hängen zu weit vom vorgezeichneten Ausstellungsweg. Aber sonst: eine sehenswerte Ausstellung im Vorarlberg Museum.
Max Riccabona und das Leben seiner Familie werden auch als Beispiel der unglücklichen und verbrecherischen Umstände dieser Zeit gezeigt.
walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
Kommentar