Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Als Diktatur war in Hellas

Kultur / 28.04.2017 • 19:03 Uhr

Fast genau ein halbes Jahrhundert ist es her, dass in Griechenland, also dem Land, in dem vor zweieinhalbtausend Jahren die Demokratie erfunden wurde, die Diktatur Einzug hielt. Am 21. April 1967 erwachten die Athener und sahen die Hauptstadt und alle wichtigen Einrichtungen wie Parlament und Rundfunkgebäude im Griff von Panzern und Soldaten. Das Militär hatte die Macht übernommen. Eigentlich waren es nur einige hohe Militärs, die hinter dem Putsch standen, Widerstand wäre möglich gewesen, aber die Brutalität der Junta war vom ersten Tag an so groß, dass sich kaum Gegenwehr bildete. Alle Linken, vor allem Kommunisten, wurden verhaftet, in Stadien zusammengetrieben, verhört, gefoltert und auch umgebracht.

Die Gründe für diesen Putsch gingen weit zurück, bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Ab dem Jahre 1946 brach in Griechenland ein Bürgerkrieg aus, der das Land bis 1949 in den Grundfesten erschütterte. Die Linke kämpfte gegen die Rechte und gegen das Militär, nach vielen brutalen Kämpfen siegten die Faschisten: mit internationaler Hilfe. Doch das Land kam auch danach nie mehr wirklich zur Ruhe, Regierungen waren nur von kurzer Dauer, die Monarchie war nur Marionette.

Regierungen von rechts und links wechselten sich ab, der neue König Konstantin II. war ebenso unglücklich wie sein Vater. Für den 28. April waren Neuwahlen angesetzt, Giorgos Papandreou von den Sozialisten war der große Favorit, doch davor übernahmen die Militärs die Macht mit dem Ziel, ganz Griechenland politisch zu säubern. Das bedeutete, das Land frei von Linken, Politikern wie Bürgern, zu machen. Bekannte Persönlichkeiten, wie etwa der populäre Musiker Mikis Theodorakis, wurden verhaftet und gefoltert. Das Grauen und die Tyrannei währten sieben Jahre.

Der Sturz der Junta im Jahre 1974 wurde von ihr selbst durch katastrophale Politik herbeigeführt. Auslösende Momente waren die türkische Invasion auf Zypern und der Aufstand der Studenten im Polytechnikum in Athen. Tägliche Demonstrationen gegen die Diktatur führten schließlich zu ihrem Untergang. Die Anführer der Faschisten wurden zum Tode verurteilt, später aber begnadigt. Griechenland kehrte zur politischen Normalität zurück, bis die wirtschaftliche Krise ausbrach. Mit ihr kamen wieder neue Faschisten.

Die radikale Partei der „Goldenen Morgenröte“ ist mit den alten Ideen wieder im Parlament vertreten.

Tägliche Demonstrationen gegen die Diktatur führten schließlich zu ihrem Untergang.

walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.