,,Die rote Katz“ ist wieder da
Vor vielen Jahrzehnten wiederholte sich allemal bei Wahlen zum Nationalrat – und eingeschränkt auch zum Landtag – das Drohen mit der „roten Katz“. Die wurde von der ÖVP immer zu solchen Anlässen aus dem Sack gezogen, um vor der „roten Gefahr“ zu warnen, die dann über das Land kommen würde, wenn die „Sozis“, die damals noch ziemlich gleichgestellt wurden mit den Kommunisten, an die Macht kämen. Mit Hammer und Sichel, dem Zeichen des Kommunismus, dem für die UdSSR und die DDR, wurde vor den Roten gewarnt. Wenn „die“ bestimmen würden, so hieß es, das wäre das Ende des Abendlandes.
Man darf aber nicht vergessen, dass bis Mitte der fünfziger Jahre noch die Zeit der Besatzung war; der Osten Österreichs stand unter russischer Kuratel, viele fürchteten eine Ausweitung der russischen Besatzungszone. Bei uns lag die Macht bei den Franzosen – die eigenen Politiker hatten auch hier wenig zu sagen. Die Drohung mit der „roten Katz“ als Symbol für die Gefahr durch die Sozialisten musste aber noch lange über die Zeit der Besatzung hinaus, bis Anfang der Sechziger-Jahre, herhalten. Dann war damit Ruhe.
Doch nun scheinen solche Symbole wieder fröhliche Urständ zu feiern. In der ÖVP-Broschüre „Rot-Grün Manifest“ agiert man mit Hammer und Sichel und Bundeskanzler Christian Kern auf dem Titelblatt, um, wie es aus der ÖVP heißt, vor Rot-Grün zu warnen. Nun mag man die Sozialdemokraten und die Grünen mögen oder nicht, man mag auch eine mögliche Koalition zwischen den beiden nicht die politisch beste Lösung finden (einmal abgesehen davon, dass das nach bisherigen Umfragen von den Mehrheitsverhältnissen her keine wahrscheinliche Variante sein wird) – eines geht gar nicht: Mit Symbolen, die aus dem unseligen tiefsten politischen Keller geholt sind, darf man heute nicht Wahlkampf (wo ist denn eigentlich die Wahl?) betreiben.
Doch das schert den Generalsekretär der ÖVP, Werner Amon, nicht, schon gar nicht VP-Klubobmann Reinhold Lopatka, der von „einer berechtigten Funktionärs-Information“ spricht, weil Rot-Grün nicht gut sei. Zum Glück sieht man das andernorts anders: In sieben von neun Bundesländern verweigert die ÖVP die Weitergabe dieser Broschüre. Das sei in Vorarlberg „nicht der politische Stil im Lande“, hieß es aus der Landespartei. Und VP-Arbeiterkammerpräsident Hubert Hämmerle reagierte noch klarer: „So ein Quatsch!“ Womit er wahrscheinlich recht hat.
Mit Symbolen, die aus dem unseligen tiefsten politischen Keller geholt sind, darf man heute nicht Wahlkampf betreiben.
walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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