Das Verbrennen von Büchern
Vor wenigen Tagen, am 10. Mai, jährte sich jener Tag, an dem 1933 im nationalsozialistischen Deutschland die Bücher großer Schriftsteller verbrannt wurden. Es war einer der frühen Höhepunkte kultureller Schandtaten im Dritten Reich, ein Feuer am Horizont, das anzeigte, was da noch alles kommen sollte. Man hätte manches wissen können, schon am Anfang jenes Reichs, von dem die Machthaber glaubten, dass es 1000 Jahre währen würde.
Angefangen hatte alles schon früher, Ende der Zwanziger- jahre, als der nationalsozialistische „Kampfbund für deutsche Kultur“ den „Aufbau eines neuen deutschen Kulturlebens“ gefordert hatte. Als am 30. Jänner 1933 Adolf Hitler Reichskanzler von Deutschland wurde, begannen die Dinge schlagend zu werden. Joseph Goebbels wurde Propagandaminister und forderte die „Gleichschaltung“ von Kunst und Kultur mit der NS-Ideologie. Bereits Anfang April forderte die „Deutsche Studentenschaft“, sich an einer „Aktion wider den undeutschen Geist“ zu beteiligen, an deren Ende eine Bücherverbrennung stehen sollte. Man beachte: Nicht uniformierte Menschen, die blind einer falschen Ideologie folgten, waren für die Verfolgung des Geisteslebens zuständig, sondern die Bildungsschicht, die Studenten. Am 10. Mai war es so weit: In Berlin und anderen Städten wurden die Bücher großer Autoren verbrannt.
Die Liste jener Autoren, deren Bücher „wider den deutschen Geist“ verstießen, war lang, die bedeutendsten Dichter fanden sich darunter: Bertolt Brecht, Alfred Döblin, Lion Feuchtwanger, Maxim Gorki, Oskar Maria Graf, Heinrich Heine, Ernest Hemingway, Egon Erwin Kisch, Erich Kästner, Jack London, Heinrich, Klaus und Thomas Mann, Alfred Polgar, Joachim Ringelnatz, Joseph Roth, Arthur Schnitzler, Bertha von Suttner, Kurt Tucholsky, Franz Werfel, Arnold und Stefan Zweig. Also die Elite nicht nur der deutschen Dichtung.
Doch man sei vorsichtig mit dem Fingerzeig auf „die alten Nazis“. Solche Geisteshaltung gibt es auch noch heute. Man denke an Länder mitten in der EU, in denen die freie Meinung geknebelt wird, man denke an Länder am Rande der EU, mit denen wir in gutem Kontakt stehen, man denke an viele Diktaturen in der Welt, mit denen wir beste Beziehungen unterhalten, weil es wirtschaftlich von Nutzen ist. Wir sollten vorsichtiger sein in solchem Umgang, und wir sollten überall den Anfängen wehren. Denn nachher ist es zu spät.
Solche Geisteshaltung gibt es auch noch heute. Man denke an Länder mitten in der EU.
walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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