Diese Künstlerin machte erneut ordentlich Dampf

Mit „Songs of Freedom“ brachten Measha Brueggergosman und der Festspielchor die Bühne zum Kochen.
Bregenz. (vf) Bescheidenheit ist nicht so ihre Sache. Zumindest, was die Musik angeht. Da wäre Bescheidenheit aber auch tatsächlich fehl am Platz. Denn das Musik & Poesie Special mit Measha Brueggergosman und dem Bregenzer Festspielchor, nach einem Abend, an dem die Sopranistin mit „Französischen Heldinnen“ solo begeisterte, war genau das, was die Kanadierin ganz selbstbewusst in der Werkstattbühne in Bregenz verlauten ließ: „Eines der besten Konzerte, das ihr je gehört habt.“
Nun könnte man sich fragen, ob man sich selbst ein derartiges Gütesiegel ausstellen darf. Measha Brueggergosman darf das definitiv. Musik gehörte von Anfang an zu ihrem Leben. Mit den Sängerinnen und Sängern des sich deutlich verjüngten Festspielchors machte sich Brueggergosman nun auf die Reise zu ihren afroamerikanischen Wurzeln. Und wie macht man das im ganz klassischen Sinn? Genau, mit Spirituals und Gospels.
Da ging die Post ab
Da ging auf der Werkstattbühne des Festspielhauses zu nächtlicher Stunde, das Konzert begann knapp nach 22 Uhr, die Post ab. Unglaublich, welche Energie und welchen Witz Measha Brueggergosman an den Tag bzw. in die Nacht legte. Ganz zu schweigen von ihrer Stimme, die Ebenbürtiges sucht. Measha Brueggergosman ist vieles: Sopranistin, Opernsängerin, bewegt sich perfekt im Bereich des Gospels, ist verrucht, charmant, humorvoll, sprüht vor Energie und Temperament und nahm den Bregenzer Festspielchor ganz selbstverständlich mit auf diese Reise durch die Tonarten. Ganz klar: Diese Frau hat Stimme und weiß sie einzusetzen. Nebenbei ist sie aber auch noch ein musikalisches Organisationstalent, denn während sie singt, dirigiert sie gleichzeitig Chor und Combo. Die gehorchen ihr auf den kleinsten Fingerzeig so, dass am Schluss einfach nur fabelhafte Musik steht.
Geschmeidige Chorsänger
Der Bregenzer Festspielchor ist gefordert und hält absolut Schritt. Das will schon etwas heißen bei dem Tempo, das die Dame vorlegt. Perfekt vorbereitet, begleiten die Chorsänger unter der Leitung von Benjamin Lack Brueggergosman von Stück zu Stück. Alle drei: Chor, Band und Solistin lassen sich gegenseitig Raum, sodass jeder auch einmal in den Vordergrund treten darf. Dass sie das ebenso können, zeigten die Sängerinnen und Sänger bei den vielen kleinen Soloauftritten, die sich in die breit angelegten Chorpartien mischten.
Von „Swing low“ zu „Tell it on the mountain“, „Wade in the water“ oder „Go down Moses“ war alles dabei. Wo bei so viel Musik die namensgebende Poesie blieb? In jedem gesungenen Wort und in jedem Takt. Klar, dass am Ende eines solchen „Songs of Freedom“-Abends nur eines stehen konnte: Standing Ovations für eine tolle Sängerin, eine Musikcombo mit ordentlich Zug und einen Festspielchor, der sich absolut hören lassen kann.
Nächstes Konzert bei den Bregenzer Festspielen: Opus XXI, 11 August, 19.30 Uhr, Seestudio im Festspielhaus: www.bregenzerfestspiele.at