Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Alle waren wieder friedlich

Kultur / 13.10.2017 • 19:58 Uhr

Es ist beruhigend, dass die Vertreter der Parlamentsparteien bei der letzten großen Fernsehdiskussion doch noch zu normalem Umgang miteinander gefunden haben. Nachdem über Wochen und Monate nur übelste Beschimpfungen, Verunglimpfungen und Verleumdungen an der Tagesordnung waren, zeigten die Dame und die vier Herren am Donnerstag gute Diskussionskultur. Das tat gut, weil man sich etwas ganz anderes, nämlich das Fortführen des Dirty Campaigning (warum nimmt man dafür eigentlich ein englisches Wort, warum sagt man nicht einfach Schmutzkübelwäsche oder so etwas Ähnliches) erwartet hatte. In der jüngeren Zeit war man doch sehr an unseren großen Komponisten und Lyriker Laurentius von Schnifis erinnert, der den Politikern in einem Lied ein wenig schmeichelhaftes Denkmal errichtet hatte: „Fragst Du, was für ein Wunderthier Politicus doch sey? So will ich es andeuten Dir ohn alle Schmeichlerey: Politicus nichts anders ist, als einer, der voll Trug und List die Menschen hintergeht – auf keiner Red besteht.“

Klingt sehr modern und zeitgemäß, was Laurentius uns da sagt. Wir müssen vor allem dem Schlinser Komponisten und auch Ulrich Gabriel dankbar sein, dass sie diesen großen Musiker und Dichter wieder in das Bewusstsein gebracht haben, nachdem er lange aus unserem Gedächtnis verschwunden war. Beide haben dafür gesorgt, dass die Dichtung des Laurentius wieder zugänglich ist und dass seine Lieder wieder von Chören gesungen werden.

Laurentius war ein scharfer Beobachter und genauer Kritiker, der keine Rücksichten nahm. Das hängt wohl damit zusammen, dass er Theaterschauspieler und Sänger war, bevor er sich als dichtender Kapuziner einen Namen machte. So etwas wäre auch heute noch höchst erwünscht. Ich bin mir sicher, in den letzten Wochen wäre Laurentius einiges zu den verschiedenen Auswüchsen österreichischer Politik eingefallen. Wobei wir die Asche nicht nur auf unser Haupt streuen wollen; es ist in anderen Teilen der Welt nicht viel besser, manches sogar viel schlechter.

Und eben: Am Schluss war doch alles noch sehr anständig, da wurden sogar Argumente geliefert, nach denen man sich überlegen kann, den oder die zu wählen. Mehr hat eine Fernsehdiskussion nicht zu leisten, und mehr sollten auch die handelnden Personen an den Rednerpulten nicht von sich geben. Ich bin wieder ganz versöhnt mit unseren Spitzenkandidaten und werde morgen meine Entscheidung in der Wahlzelle kundtun.

„Laurentius wäre einiges zu den verschiedenen Auswüchsen österreichischer Politik eingefallen.“

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.