So etwas wollte ich auch machen
Ich habe mich für den Kommentar vom vergangenen Samstag zu entschuldigen. Da ist mir ein unverzeihlicher Fehler unterlaufen. Ich habe im Zusammenhang mit Laurentius von Schnifis und seinem Lied „Politikus“, einer scharfen Satire auf die Politiker, auch vom heutigen Komponisten in Schnifis gesprochen – und dabei nicht den Namen dieses Komponisten erwähnt. Die meisten meiner Leser wussten zwar, dass damit nur Gerold Amann, einer unserer Besten in der Musik, gemeint sein konnte. Aber der Fehler bleibt bestehen. Ich bin mir dieser Fehlleistung bewusst, möchte aber in jedem Fall darauf hinweisen, dass mir eine solche Unterlassung gerade bei Gerold Amann, den ich ganz außerordentlich schätze, höchst unangenehm ist. Noch dazu, wo er in einigen Tagen seinen 80. Geburtstag feiern kann, zu dem er hoffentlich meine Gratulation auf diese Art entgegennimmt.
Dieser Festtag ist auch ein Grund, kurz auf sein Leben zurückzuschauen. Gerold Amann stammt wie Laurentius aus Schnifis, dem Sonnendorf im Walgau. In einer von ihm selbst verfassten Biografie (zu finden, wie auch die anderen Angaben, in der Musikdokumentationsstelle des Landes) erzählt er, dass er mit etwa zehn Jahren im Radio eine besondere Musik, wahrscheinlich Bruckners 4. Symphonie, gehört habe. Da sei ihm klar geworden: „So etwas wollte ich auch einmal machen können.“ Er studierte an der Musikakademie und dazu absolvierte er auch ein Psychologiestudium. Aber: „Am meisten lernte ich durch Hinhören auf alles, was mir begegnete: Tiere, Maschinen, meinen eigenen Körper. Ich wurde ein Arrangeur von Schallereignissen aller Art.“ Das hat er sein ganzes Komponistenleben lang durchgehalten. Von Vogelstimmen bis zu Lauten der Gibbon-Affen, von knirschenden Fensterläden bis zum balzenden Uhu har er alles verarbeitet, was sich seinem Ohr geboten hat. Nicht zuletzt war er der Streiter für die Musik und die Texte des Laurentius von Schnifis.
Auch die großen Musiktheateraufführungen, von „Goggalori“ und „Waldeslust“ bis zur Zusammenarbeit mit Michael Köhlmeier und dann „Die Vögel“, eine Bearbeitung nach Aristophanes, sind uns in bester Erinnerung. Viel gäbe es zu sagen zu Gerold Amann, auch zu seiner Arbeit als Lehrer junger Komponisten oder als musikalischer Leiter des ersten Vorarlberger Kabaretts, der „Wühlmäuse“. Viel gäbe es zu sagen, man kann aber auch ganz einfach nur gratulieren zu einem Leben voller Musik, zur eigenen Freude und zu der der Menschen.
„Viel gäbe es zu sagen, man kann aber auch ganz einfach nur gratulieren zu einem Leben voller Musik.“
Walter Fink
walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
Kommentar