Landesrat wider Willen?
Seit einiger Zeit veranstaltet das vorarlberg museum eine Gesprächsreihe zum Journalismus. Vor einigen Tagen ging es konkret um die Situation in Vorarlberg, um die Konzentration im Printbereich und die spezielle bei den elektronischen Medien, vor allem beim Landesstudio Vorarlberg. Die Diskussion wurde von Eva Blimlinger, der Rektorin der Akademie der bildenden Künste in Wien, geleitet. Blimlinger ist Mitglied des Publikumsrats im ORF und hat in dieser Funktion auch immer wieder gegen Entscheidungen der Landesdirektion, vor allem die Kultur betreffend, ihre Stimme erhoben.
Eine besonders kritische Position am Podium kam von Kurt Bereuter, dem Obmann des Kulturforums Bregenzerwald. Bereuter hatte vor Längerem die „Bregenzerwälder Zeitung“ gegründet, weil es schwierig sei, eigene Botschaften in den Medien unterzubringen. Meist bleibe solche Information auf der Strecke. Der frühere Landesdirektor des ORF, Wolfgang Burtscher, wurde naturgemäß vor allem auf die Situation im ORF angesprochen, was er allerdings mit dem Hinweis, er wolle „seinem Nachfolger nicht in die Suppe spucken“, ablehnte. Zum brennendsten Thema nahm er auf Intervention von Jutta Berger, Redakteurin des „Standard“ in Vorarlberg, aber doch kurz Stellung: Er hätte die Sendung „Kultur nach 6“ nie von 18 auf 20 Uhr verlegt (was noch immer zu heftigen Protesten in der Kulturszene führt), weil man mit dieser Maßnahme die Hörerinnen und Hörer zwangsläufig gegen null reduziere. Der Applaus des Publikums war ihm damit sicher.
Die Veranstaltung im vorarlberg museum lässt auch auf Rückgrat in der Leitung des Museums schießen. Vor Kurzem hatten nämlich Landesrat Christian Bernhard und Karl Fenkart als Mitglieder des Aufsichtsrats der Kulturhäusergesellschaft, die auch für das Museum zuständig ist, gegen die Programmgestaltung des Museums Einspruch erhoben, so war es jedenfalls aus dem Aufsichtsrat zu erfahren. Besonders stießen ihnen die Architekturgespräche oder die Kulturdiskussionen auf.
Das sei nicht Aufgabe des Museums, schon gar nicht, wenn die Räume des Museums unentgeltlich zur Verfügung gestellt würden. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass Landesrat Bernhard vor einiger Zeit bei einer Diskussion im Museum mit Kulturschaffenden nicht gerade eine gute Figur gemacht und auf Nachfrage gemeint hatte, dass er das Kulturressort eher gezwungenermaßen, nicht aber aus Freude an der Sache übernommen habe. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.
„Das sei nicht Aufgabe des Museums, schon gar nicht, wenn die Räume des Museums unentgeltlich zur Verfügung gestellt würden.“
Walter Fink
walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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