Interessante Stadt geworden
Nicht ohne Vorwurf meinte Michael Köhlmeier am vergangenen Sonntag zu mir: „Das hättest du dir nicht gedacht, dass du einmal so gut über Hohenems reden würdest.“ Er hatte recht. Denn lange Zeit war es doch so, dass es nicht viel gab, das einen in die Nibelungenstadt zog. Das Schloss, darin über einige Jahre die Schubertiade, ebenso einige Jahre die Galerie Schiestl, dann natürlich Künstlerinnen, Künstler, die aus dieser Gemeinde, die ich damals nie als Stadt sehen konnte, kamen. Die Wende kam Anfang der neunziger Jahre mit dem damals noch lange nicht von allen erfreut begrüßten Jüdischen Museum. Das jüdische Viertel, die ehemalige Judengasse, war in dieser Zeit noch ziemlich schäbig, die ehemalige Synagoge war das Feuerwehrhaus, auch die Marktstraße, die frühere Christengasse, war nicht gerade ein Schmuckstück. Doch dann änderten sich langsam die Dinge. Unter Zutun des damaligen Bürgermeisters Otto Amann und unter Einsatz von Gerd Nachbauer von der Schubertiade wurde Hohenems Stück um Stück schöner und auch interessanter.
Besonderes Verdienst kommt dabei Markus Schadenbauer-Lacha zu, der nicht alleine, aber doch ganz wesentlich das jüdische Viertel aus dem Dornröschenschlaf weckte und als Projektentwickler einen neuen Stadtteil formte, der in seinem Charme weitum seinesgleichen sucht. Er stand auch am Anfang der Emsiana, jenes Kulturfestivals, das am vergangenen Wochenende sein Zehn-Jahr-Jubiläum feiern konnte. Das war wohl das Konzept: Mit Kultur die Qualität eines Quartiers zu heben, und natürlich mit Renovierungen und Neubauten, die das jüdische Viertel und die Marktstraße zu einem der interessantesten, vielleicht auch schönsten Stadtteile Vorarlbergs machen. Es gibt hier keine der gängigen Ketten, die sonst überall die Einkaufsstraßen verschandeln, es sind vor allem die kleinen Geschäfte und Lokale, die den besonderen Charakter ausmachen.
Wo findet man sonst noch ein Hutmachergeschäft, wo ein Schuhmachermuseum, wo gibt es noch kleine, feine Buchhandlungen? Nicht zuletzt: Wo gibt es eine große, ehemals noble Villa wie jene von Ivan und Franziska Rosenthal, die in einer Gemeinde zum Mythos wurde, weil sie seit Jahrzehnten niemand mehr betreten hat? Zur Emsiana war sie zu besichtigen und die Menschen stürmten sie so, dass es auch in nächster Zeit noch Führungen geben wird. Das war es, was ich sagen wollte: Hohenems ist nicht nur einen, sondern mehrere Besuche wert.
„Das war wohl Konzept: Mit Kultur die Qualität eines Quartiers zu heben.“
Walter Fink
walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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