Schriftstellerin Eva Schmidt: „Meine Zeit war eine rebellische“

Kultur / 05.03.2019 • 20:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Eva Schmidt hat mit "Die untalentierte Lügnerin" einen weiteren Roman verfasst. Lisa Mathis
Eva Schmidt hat mit „Die untalentierte Lügnerin“ einen weiteren Roman verfasst. Lisa Mathis

Die Bregenzer Schriftstellerin Eva Schmidt spricht über ihren neuen Roman, der von jungen Menschen in der Gegenwart handelt.

Christa Dietrich

Bregenz „Ich wollte das Buch im Jetzt spielen lassen. Ich beobachte junge Menschen und habe mit meinen eigenen Kindern genug erlebt“, sagt Eva Schmidt (66). Die Bregenzer Schriftstellerin hat mit „Die untalentierte Lügnerin“ gerade einen Roman herausgebracht. Vor rund zwei Jahren kam „Ein langes Jahr“ auf die Shortlist für den renommierten Deutschen Buchpreis. Zuvor ist lange Zeit bzw. fast 20 Jahre lang nichts erschienen. Mitte der 1980er-Jahre betrat Eva Schmidt mit „Ein Vergleich mit dem Leben“ und „Reigen“ das literarische Podium und wurde unter anderem mit dem Rauriser Literaturpreis ausgezeichnet. Die Pause sei sehr wichtig gewesen, erzählt sie. Der Erwartungsdruck, der damals entstanden sei, habe ihr ziemlich zugesetzt. Nun schreibe sie wieder gerne und sei in Erinnerung an ihre ersten Veröffentlichungen froh, dass sie den Deutschen Buchpreis letztlich nicht bekommen habe. Bodo Kirchhoff wurde damals für „Widerfahrnis“ ausgezeichnet, Eva Schmidt hatte aber aufhorchen lassen, kam mit fünf Kollegen in die engere Auswahl für die wichtige Auszeichnung im deutschsprachigen Raum. Unabhängig von der Aufnahme auf die Shortlist sei für sie das Schreiben wieder ins Fließen geraten, erzählt sie. „Die untalentierte Lügnerin“ wurde bereits im Sommer letzten Jahres fertiggestellt. Sie arbeitet bereits an einem neuen Roman. Das Thema steht in Kontrast zum vorliegenden Buch, denn im nächsten Werk gehe es um alte Menschen.

Die Basis bilden so oder so Beobachtungen. „Wenn ich mit Menschen zu tun habe, sind es die Gesten und die Mimik, die ich aufnehme und die in eine Figur einfließen.“ Manche Eigenschaften ihrer Kinder spielten eine Rolle, dennoch brauche niemand in der Familie oder im sozialen Umfeld davon auszugehen, dass er gemeint ist. Und wenn mit der Hauptfigur Maren eine junge Frau beschrieben ist, die sich schwer tut, das zu finden, was sie erfüllt, die aber so etwas wie Lebenslügen enttarnt, und wenn ein unspektakuläres Scheitern zum Thema wird, dann steckt auch ein wenig von Eva Schmidt selbst drin. „Nichts davon ist allerdings autobiografisch und es ist nicht mehr als eine Orientierungslosigkeit, die ich empfunden habe.“ Sie selbst sei in einer anderen Zeit jung gewesen. „Meine Zeit war eine rebellische Zeit, ich empfand mich in Opposition zu den Erwachsenen, manchmal war das auch riskant, ich bin untergetaucht.“

Eine wilde Zeit habe sie erlebt, die es für die jungen Leute heute so gar nicht mehr gibt. Auf ihrem konfliktreichen Weg lässt die Figur Maren die Leser dennoch nahe an sich heran, die Beziehung zur Mutter ist belastend, jene zum Stiefvater obsessiv. „Für mich ist bei Maren insofern eine Entwicklung erkennbar als sie sich aus dem Familiengeflecht befreit. Mit dem Fotografieren findet sie etwas, was ihr gefällt.“

In Bregenz verortet

Die Geschichte ist übrigens in Bregenz verortet, mit dem Kunsthaus, in dem Maren einen Job findet. „Es ist einfach mein Kosmos“, erklärt die Autoren, „die anderen sehnen sich danach zu reisen, ich wüsste nicht, warum ich Orte erfinden sollte.“ Sie verspüre als Autorin mittlerweile zunehmend Gelassenheit. Die Angst, wie es wohl weitergeht, ob die Geschichte auch aufgeht, habe sie früher durchaus ergriffen. Im Idealfall schreibt sie nun etwa drei Stunden am Tag, nur in intensiven Phasen sitzt sie länger am Schreibtisch. Verworfen wurden bei diesem Buch nur noch ein paar Ideen. Ihr erster Leser ist der in München tätige Agent, danach erst wird ein Familienmitglied mit den Texten konfrontiert, in den meisten Fällen ist es ihre Tochter Laura.

Lesung von Eva Schmidt aus „Die untalentierte Lügnerin“ am 7. März, 20 Uhr, im Theater am Kornmarkt in Bregenz.