Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Regionale Kunst wird zu gering geschätzt

Kultur / 26.03.2019 • 11:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Ursprünglich stand sogar einmal das Pförtnerhaus beim Landeskonservatorium in Feldkirch als Podium für die regionale Kunst oder für Werke von aus Vorarlberg stammenden Künstlerinnen und Künstlern zur Diskussion. Ende der 1980er-Jahre, als klar wurde, dass das Land in Bregenz eine Galerie errichten wird, die dann Kunsthaus genannt wurde, gelangte man zur Erkenntnis, dass nicht allzu viel von dem, was in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten geschaffen wurde, dazu taugt, im großen Rahmen oder eventuell korrespondierend mit dem Schaffen in anderen Ländern präsentiert zu werden.

Eine Landesgalerie kann nicht alles ausgleichen, sie kann und soll aber auch der Information dienen.“

Das Ergebnis hat einen höchst positiven und einen negativen Aspekt: Das KUB mit seiner internationalen Ausrichtung steht weit oben auf der Liste der weltweit bedeutenden Kunsthäuser, daneben ist jene Kunst, die in der Region geschaffen wurde, nun aber nirgendwo so vertreten, dass eine ihr angemessene Auseinandersetzung möglich wäre. Man rühmt sich zwar damit, die größte Angelika-Kauffmann-Sammlung zu besitzen, abgesehen davon, dass sich wesentliche Werke in London, St. Petersburg, Zürich oder Chur befinden und man der Öffentlichkeit nur vormachte, ein wichtiges Selbstporträt aus Innsbruck zurückverhandelt zu haben, behält man die Arbeiten aber meist in den Depots. Trotz einiger Projekte im neuen Vorarlberg Museum ist der Umgang mit dem OEuvre von Rudolf Wacker ebenfalls so wenig zufriedenstellend wie jener mit den Werken von Edmund Kalb, Anne Marie Jehle etc. Die Liste lässt sich noch lange fortsetzen, ein Umstand muss dabei aber betont werden: Zwischen den 1980er-Jahren, als der Begriff Landesgalerie im Zuge der Diskussion in Verruf geraten ist, und heute, das heißt, in den letzten 30 bis 40 Jahren, hat sich in der Vorarlberger Kunst enorm viel getan.

Immer wieder verkannt

Während Kunstvermittler immer wieder auf Persönlichkeiten hinweisen, denen zeitlebens zu wenig Beachtung widerfuhr bzw. deren Leistungen im eher kunstfeindlichen Klima oder in einem Umfeld, in dem man bestenfalls einen Studienabschluss in Wirtschaft oder Jus befürwortete, keine Anerkennung fanden, hat sich die Situation für die Zeitgenossen diesbezüglich nur bedingt verbessert. Jede Kunst entsteht irgendwo in einer Region, jene, die in Vorarlberg entsteht, wird insofern gering geschätzt, als es keinen professionell geführten Ort für die intensive Auseinandersetzung gibt. Einzelne bestehende Initiativen können ihn nicht ersetzen, weil die Qualität der dortigen Programme variiert und von verschiedenen Faktoren abhängt. Nicht zuletzt ist das die Finanzierung durch die Kommunen in Kooperation mit dem Land. Eine Landesgalerie kann nicht alles ausgleichen, sie kann und soll aber auch der Information, der Bildung dienen. Dafür sollte sich der Kulturlandesrat starkmachen.