Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Lob auf Michael Köhlmeier

Kultur / 19.10.2019 • 13:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Das große, wunderbare Geburtstagsfest im Jüdischen Museum in Hohenems ist vorbei. Es ist fast alles gesagt. Michael Köhlmeier wurde zudem in der vergangenen Woche, in die sein 70. Geburtstag fiel, in allen Medien ausgiebig gewürdigt. Seine Romane, seine Novellen, seine Hörspiele und Erzählungen, auch die ihm verliehenen Preise sind alle aufgelistet. Es bleibt mir also nichts mehr zu erzählen. Außer: die Geschichte einer Freundschaft.

„Ich kann nicht beschreiben, zu wie viel guter Zeit mir Michael verholfen hat. Durch seine Kunst des Erzählens, die mich oft dem Leben entrückt hat.“

Fast ein halbes Jahrhundert ist es her, dass ich Michael Köhlmeier kennengelernt habe. Damals war er noch Student in Marburg, allerdings mit einer klaren Vorstellung seiner Zukunft: „Ich werde Dichter“, war der Stehsatz zum künftigen Beruf. Immer habe ich bewundert, wie sicher er sich war, später dann auch, wie konsequent und erfolgreich er das verfolgte – ohne in dieser Frage je von Zweifeln geplagt zu sein. Die Zeiten in den Siebzigerjahren waren wunderbar, man konnte sich in der Kultur – bei den Randspielen und anderen Anlässen – mit seinen Vorstellungen austoben, Michael schrieb Hörspiele (etwa: „Like Bob Dylan“), ich durfte sie publizieren, er machte gemeinsam mit Reinhold Bilgeri (dem übrigens schon damals klar war, dass er ein Rockstar werden würde) großartige Songs, ich durfte die inzwischen legendär gewordene Langspielplatte „O wie lacht“ gemeinsam mit dem ORF und Fritz Jurmann produzieren. Es war weniger Arbeit als vielmehr Spaß, der hinter diesen Aktivitäten steckte. Und eine Freundschaft, die sich daraus entwickelte.

Es war nicht so, dass wir uns regelmäßig getroffen haben, vielmehr haben die Anlässe die Treffen bestimmt. Aber immer war es so, als wäre die Zeit dazwischen nicht gewesen, als wäre man – wie früher – von einem Fest zum nächsten gegangen. Beide haben wir große Zeiten erlebt, beide traurige, schwierige. Einmal sogar einen Bruch der Freundschaft. Es war Michael, der wieder den ersten Schritt getan hat. Und ich bin noch heute seiner Frau Monika Helfer dankbar, dass sie ihn darin bestärkt hat. In einem Café in Dornbirn kam alles wieder ins Lot – und die Zeit dazwischen war gestrichen. Nichts, gar nichts blieb davon. Zu meinem Glück, denn ich kann nicht beschreiben, zu wie viel guter Zeit mir Michael verholfen hat. Durch seine Kunst des Schreibens und Erzählens, die mich oft dem Leben entrückt hat. Ich bin dankbar dafür, und ich bin dankbar für eine Freundschaft, die mir so lieb wurde, dass sie sich bei jeder Begegnung, bei jedem Treffen wieder verstärkt.

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.