KUB 2020: Vier Mal vier Stockwerke für jeweils eine Person

Kultur / 15.11.2019 • 09:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Mit der US-amerikanischen Künstlerin Bunny Rogers beginnt das nächste Ausstellungsjahr im Kunsthaus Bregenz. KUB

Kunsthaus Bregenz präsentiert 2020 zwei Künstlerinnen und zwei Künstler, die das gesamte Haus zu bewältigen haben.

Christa Dietrich

Bregenz Vier große Ausstellungen, zwei von Künstlerinnen und zwei von Künstlern, die jeweils das ganze Haus zu bespielen haben, so lautet auch im kommenden Jahr das Programm im Kunsthaus Bregenz. Direktor Thomas D. Trummer legt ihm zwei Themen zugrunde. Das erste fragt nach dem Stand der Dinge, das zweite nach dem individuellen Glück. Zusammengeführt werden sie vor allem in den Arbeiten des Schweizers Peter Fischli (geb. 1952), der mit dem 2012 verstorbenen David Weiss jenes Duo bildete, dessen Film „Der Lauf der Dinge“ zu einer Ikone der bildenden Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde.

Menschen, die nicht nerven

Bei der Programmpräsentation in Bregenz anwesend und ein ständiger Besucher der Ausstellungen im KUB, bezeichnete Fischli den Zumthor-Bau am Bodenseeufer als „verlockende, einmalige“ Plattform, die den Künstlern die Möglichkeit bietet, eine oder gleich vier Ausstellungen in den jeweiligen Stockwerken zu realisieren. Es habe ihn immer wieder interessiert, wie die Künstlerinnen und Künstler diese bewältigen, jedenfalls seien die Positionen jeweils in der gesamten Bandbreite zu erleben gewesen, während man in anderen Häusern immer nur einen Teil bzw. ein Kuchenstück vom Ganzen serviert bekomme. Was ihn in Bregenz fasziniert, brachte er auch humoristisch auf den Nenner: „Die Biografie des Hauses, die aus den vergangenen Ausstellungen der Künstlerinnen und Künstler besteht, die räumliche Situation und dass man mit Menschen zusammenarbeiten kann, die einem nicht auf die Nerven gehen.“

Peter Fischli war übrigens bereits einmal an einem KUB-Projekt beteiligt. Gemeinsam mit David Weiss schuf er ein Werk im Rahmen der Aktion „Kunst erleben und sammeln“, die die Vorarlberger Nachrichten mit dem Kunsthaus umsetzten.

Im kommenden Frühjahr wird er Arbeiten zeigen, die in den letzten vier bis fünf Jahren entstanden sind. Fokussiert werden dabei auch Phantombilder vom Glück. Es sind Aufnahmen, die Menschen von sich bei einer Freizeitbeschäftigung machen und in Umlauf bringen, wobei Fischli die Gleichzeitigkeit von Authentizität, Fiktion und Klischee interessiert.

Rogers, Sala, Fischli, Budor

Den Auftakt vor Fischli macht mit Bunny Rogers (geb. 1990) eine amerikanische Künstlerin. In raumgreifenden Installationen setzt sie sich mit Ritualen der Trauerarbeit auseinander und thematisiert auch einen Amoklauf in einer Schule, bei dem zahlreiche Menschen getötet wurden. Während Bregenz im Zeichen von Musik und Theater steht bzw. beginnend in der Festspielzeit, präsentiert der albanische Künstler Anri Sala (geb. 1974) unter anderem seine Auseinandersetzung mit Bild und Ton, und zwar ein verfilmtes Spiel einer Elegie von Igor Strawinsky, bei der das Aufführungstempo von einer Schnecke bestimmt wird, die sich auf dem Bratschenbogen bewegt. Salas Arbeiten sind zudem durchaus politisch konnotiert. Er wird sich auch mit dem Raum in der Johanniterkirche in Feldkirch beschäftigen und dort ein Werk umsetzen.

Wenn Sie eine unserer Ausstellungen versäumen, dann haben Sie sie für immer versäumt.

Thomas D. Trummer, Direktor Kunsthaus Bregenz

Dora Budor (geb. 1984 in Zagreb) geht im Besonderen auf die architektonischen Voraussetzungen im Kunsthaus ein. Im KUB-Schaufenster wird deutlich, dass der gebürtige Vorarlberger Thomas König dem Haus eine Sammlung überlässt, die er gemeinsam mit seiner verstorbenen Frau Erika Lebschik aufgebaut hatte. Es handelt sich um Originalgrafiken von Künstlerinnen und Künstlern, darunter sind VALIE EXPORT, Iris Andraschek, Max Bill, Martha Jungwirth und Maria Lassnig.

An der KUB-Fassade wird man ab Dezember 2020 ein Werk der Liechtensteiner Künstlerin Annemarie Jehle (1930-2000) sehen können, die mit Installationen, Fotografien und Malereien bekannt wurde und gesellschaftskritisch im Hinblick auf soziale Gegebenheiten oder Rollenbilder agierte.

Im laufenden Jahr hat das Kunsthaus, das, wie es die Galerienförderung des Bundes vorsieht, auch Werke ankauft, Arbeiten von Maria Anwander, Cäcilia Brown, Angelika Loderer und der Gruppe Die Damen (ONA B., Evelyn Egerer, Birgit Jürgenssen, Ingeborg Strobl und Lawrence Weiner) erworben.

Mehr Besucher

Im laufenden Jahr wird man rund 53.500 Besucher zählen können, etwas mehr als im Jahr 2018, in dem es 48.300 waren. Das Kunsthaus Bregenz wird mit 2,8 Millionen Euro vom Land Vorarlberg finanziert, die Eigeneinnahmen betragen 900.000 Euro. Derzeit sind Installationen und Videoarbeiten der deutschen Künstlerin Raphaela Vogel zu sehen.