„Sonst wäre ich ja ein Wunderwuzzy“

Kultur / 20.11.2020 • 19:37 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Stefan Susana ist gefragt Cellist, leitet einige Orchester und hat in Weiler ein kleines Festival aufgebaut. Roswitha fritz
Stefan Susana ist gefragt Cellist, leitet einige Orchester und hat in Weiler ein kleines Festival aufgebaut. Roswitha fritz

Neben der Musik hilft Stefan Susana als akademischer Mentalcoach auch nervlich belasteten Musikern.

Weiler Als Dirigent leitete Stefan Susana Orchester in der Schweiz und Liechtenstein und hat in seiner Heimatgemeinde das Festival Weiler Herbst ins Leben gerufen. Als leidenschaftlicher Cellist in diversen Ensembles hilft er auch Musikern, die Anforderungen im Konzertleben zu bewältigen.

 

Warum sind Sie Mentalcoach geworden?

SUSANA Ich war tatsächlich selbst betroffen, in einer etwas anderen Form. Als Musikstudent mit 21 Jahren verließ mich schleichend die Kraft in meinem rechten Daumen, so dass ich den Cellobogen nicht mehr festhalten konnte. Diese Situation war erschreckend und frustrierend, denn alle meine Träume mit dem Cello begannen zu zerrinnen. Heute weiß ich, dass der Druck, den ich mir damals selbst machte, zu groß war. Es war ein langer Prozess, bis ich allmählich dahinterkam, dass ich meinen Blick nach innen wenden musste, um überhaupt in die Nähe einer Lösung zu kommen. Diese Suche war der Beginn einer langen Reise, die mir zeigt, wie sich mein Denken auf meinen Körper auswirken kann.

 

Welche Ausbildung ist dafür erforderlich?

SUSANA Drei Jahre Studium berufsbegleitend – das war genau das Richtige, um weiterzukommen, denn ich hatte ich die Möglichkeit, den Ursachen meiner Schwierigkeiten beim Cellospielen durch eine wissenschaftlichen Sichtweise näherzukommen.

 

Gibt es da eine bestimmte Methode, die Sie erlernt haben und anwenden?

SUSANA Beim Mentalcoaching geht es darum, störende Denkgewohnheiten zu erkennen und zu überwinden. Hierfür gibt es zahlreiche Techniken. Diese habe ich im Lauf der Zeit für mich und meine Zielgruppe adaptiert und weiterentwickelt. So konnte ich Musikern durch mein Coaching helfen, nicht nur ihre Ziele zu erreichen, sondern insgesamt zu einer größeren Lebensqualität zu finden.

 

Etwas weitergedacht: Könnten Sie Leuten auch die Angst vor dem Coronavirus nehmen?

SUSANA Nein, sonst wäre ich ja ein Wunderwuzzy. Aber ich kann ihnen dabei helfen, wie sie einen sinnvollen Umgang mit ihren Ängsten lernen können.

 

Sie sind heute ein gefragter Profi-Cellist. Warum haben Sie eine weitere Herausforderung als Dirigent gesucht?

SUSANA Der Klang des Cellos berührte mich von Anfang an, machte mir Freude. Das Üben nicht. Es gab eine Zeit, da ich meinen Cello-Weg gefährdet sah, konnte mir ein Leben ohne Musik aber nicht vorstellen. Da rückte das Dirigieren ins Blickfeld, für das ich mich schon damals interessiert habe, wenn auch mit großem Respekt. Ein Freund bot mir dann an, ein kleines Jugendorchester zu leiten. Der Gedanke daran elektrisierte mich sofort, und so begann ich zu dirigieren. Ich sprang zunächst, wie man sagt, ins kalte Wasser. Das Wasser ist heute zwar etwas wärmer, der Respekt vor dem Dirigieren aber ist geblieben.

 

Sie haben dann auch das Dirigieren professionell erlernt und leiten heute Orchester in Liechtenstein und der Schweiz?

SUSANA Ich durfte damals als außerordentlicher Hörer der Dirigierklasse am Mozarteum beiwohnen. In jener Zeit suchte das Uniorchester Salzburg einen neuen Dirigenten. Glücklicherweise gewann ich das Vordirigieren. Heute habe ich das Glück, drei hervorragende Orchester im Amateurbereich zu leiten. Das Niveau ist immer so gut wie die Proben vorher. Die Probenphasen für die jeweiligen Konzertprojekte sind für mich jedes Mal etwas Besonderes. Es geht mir darum, die musikalischen Ressourcen sinnvoll in den Dienst der Musik zu stellen. Was herauskommt, ist oft überraschend und beglückend für die Musiker, die Zuhörer und auch für mich.

 

Vor zwei Jahren haben Sie den Weiler Herbst mit einer eigenen Kammerphilharmonie ins Leben gerufen. Mutig in einer kleinen Gemeinde?

SUSANA Ich lebe in Weiler und bin dabei, hier ein Umfeld zu schaffen, in dem ich gut Musik machen kann. Die Menschen hier schätzen das sehr, daher brauchte es gar nicht so viel Mut dafür. Mein Antrieb ist eher, dass es mir Freude bereitet, wenn ich mich mit meinen musikalischen Möglichkeiten in diese liebevolle Gemeinde einbringen kann. Momentan ruht die Kammerphilharmonie Corona-bedingt, stattdessen gibt es nun Konzert-Miniaturen.

Zur Person

STEFAN SUSANA

Geboren 1971 in Götzis

Tätigkeit Dirigent der Orchester Liechtenstein Werdenberg, Orchester Kaltbrunn Niederurnen, Orchesterverein Widnau, KV2018 Kammerphilharmonie Vorarlberg, Initiator der Konzertreihe Weiler Herbst, akademischer Mentalcoach für Musiker, freischaffender Cellist

Familie Wohnt mit seiner Familie
in Weiler

Konzert-Miniaturen im Advent: 19./20. Dezember, 16 Uhr, Pfarrkirche Sulz; 19. Dezember, 19 Uhr, Pfarrkirche Weiler.

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