Von Rampensäuen, die die Welt verändern

Kultur / 20.11.2020 • 20:41 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Premiere von „Tasso!“ nach Goethe findet am Sonntag, 22. November, statt. Aber Achtung, nicht auf der Bühne, sondern als Streaming-Angebot. LT/Köhler
Die Premiere von „Tasso!“ nach Goethe findet am Sonntag, 22. November, statt. Aber Achtung, nicht auf der Bühne, sondern als Streaming-Angebot. LT/Köhler

Goethe wird beim Landestheater ein Umweltschützer und seinem berühmten “Tasso” ist im Netz zu begegnen.

Bregenz Streaming-Angeboten steht Intendantin Stephanie Gräve eher skeptisch gegenüber, bei der Zurverfügungstellung von per Video dokumentierten Bühnenproduktionen verhielt sich das Vorarlberger Landestheater bisher zurückhaltend. Nachdem der zweite Lockdown nun zur Absage mehrerer Premieren führte und Probenarbeiten nicht verboten sind, hat man umdisponiert. „Tasso!“, eine Adaptierung des 1807 uraufgeführten Schauspiels „Torquato Tasso“ von Goethe, wurde vor der Aufführung in der Box am Bregenzer Kornmarkt nun gleich als Filmprojekt konzipiert, das am Sonntag, 22. November, 19.30 Uhr über die Website des Unternehmens (landestheater.org) an den Start geht.

Während die gesamte Crew hofft, dass im kommenden Jahr Aufführungen vor Publikum realisierbar sind, soll das „Tasso!“-Video dann Schulen zur Verfügung gestellt werden. Schließlich ist Goethes Werk Unterrichtsstoff. Dass dieser absolut nicht trocken daherkommen muss, hat das Theater bereits mit „Werther!“ bewiesen. Schon damals war Milena Fischer im Team, nun verantwortet die deutsche Regisseurin die Fassung und die Inszenierung. Von Hupfdohlen, Rampensäuen und Tastentierchen ist einmal die Rede und wenn Fischer diese als „irrelevante Freizeitgestalter“ bezeichnen lässt, tritt der Verweis auf die momentane Situation, in der Kunst und Kultur allem hintangestellt werden, deutlich zu Tage. 

Naturschutz

Bei der Frage, inwieweit aus Goethes Künstlerdrama, in dem Freiheit („Erlaubt ist, was gefällt . . .“), Verantwortung, Wissenschaft und Emotion verhandelt werden, angesichts aktueller Voraussetzungen etwas abzuleiten ist, hat Milena Fischer den Naturschutzgedanken ins Auge gefasst. Goethe, der Emotionen mit poetischen Naturbildern verdeutlicht, ermögliche es. Antonio (hier Toni) und Tasso verkörpern unterschiedliche Herangehensweisen. Dass Kunst allerdings dort etwas bewirken kann, wo die Politik nicht mehr greift, davon gibt sich die Regisseurin im Gespräch mit den VN überzeugt. Und dafür steht bei ihr letztlich auch die Figur Leo, in der sich – für Goethe-Kenner – Leonore wie auch der Herzog vereinen und die zur Kooperation im Sinne gerechter Ressourcenverteilung aufruft. Goethe lasse auch das zu, meint sie.

„Es stellt sich die Frage, was mit Kunst und was mit Politik zu bewirken ist.“

Auf der Website des Vorarlberger Landestheaters (www.landestheater.org) wird der Link am Sonntag, 22. November um 19.30 Uhr geteilt und ist 24 Stunden gültig.

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