“Es gibt keine Perspektiven”

Kultur / 08.04.2021 • 21:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Einen kleinen Lichtblick während der nahezu komplett abgesagten Schubertiade im Vorjahr bot das Wiener Ensemble „The Erlkings“ in Hohenems. schubertiade
Einen kleinen Lichtblick während der nahezu komplett abgesagten Schubertiade im Vorjahr bot das Wiener Ensemble „The Erlkings“ in Hohenems. schubertiade

Erste Schubertiade-Konzerte sind abgesagt, weitere Absagen drohen.

Hohenems Im Vorjahr musste Gerd Nachbauer, Geschäftsführer der Schubertiade, fast das gesamte Festival wegen der Pandemie absagen und damit nahezu 30.000 Ticketbesitzer quasi wieder nach Hause schicken. Heuer hat sich die Problematik für den Initiator und Leiter des weltweit einzigartigen Lieder- und Kammermusikfestivals nicht entschärft. Die erste, vom 28. April bis 2. Mai vorgesehene Konzertreihe wurde bereits gestrichen. Ob sich seine weiteren Vorhaben im ersten Halbjahr ausgehen, ist mehr als fraglich. Auch für das Programm Ende Mai in Hohenems und die jeweils im Juni in Schwarzenberg stattfindenden Konzerte und Liederabende hat er nur noch wenig Hoffnung. „Die Perspektive wird von Tag zu Tag wackliger“, beschreibt er seine Situation im Gespräch mit den VN und bezieht sich dabei auch auf den Spätsommer und Herbst.

Tausende Besucher aus aller Welt

Unter momentanen Bedingungen, das heißt vor maximal hundert Besuchern, kann er seine Konzerte nicht durchführen. Von Wirtschaftlichkeit könne auch bei der für Mai oder Juni vage in Aussicht gestellten Zahl von 250 bis 500 Besuchern kaum die Rede sein, erklärt er. Somit sind die jetzigen Auflagen für ihn nicht erfüllbar. So viel Spielraum hat er als Veranstalter, dessen Unternehmen nicht subventioniert wird, nicht. Hätte er seinen solchen Spielraum, dann hätte er sich in den letzten Jahren krank verdienen müssen, lautet seine Erklärung. Kurzum: Nachbauer braucht relativ gut ausgelastete Säle, um das Festival zu finanzieren. Mit Können, Wissen und Erfahrung hat er die Schubertiade ins 45. Jahr gebracht und bis vor der Pandemie auch jeweils Tausende Besucher aus aller Welt angezogen. Dieser Umstand heißt freilich, dass die Schubertiade nur bei entsprechender Reisefreiheit durchführbar ist. „Hier im Mehrländereck sind wir auf das Publikum aus dem Ausland angewiesen, es muss einreisen können und braucht offene Hotels.“ Dass er nicht weiß „in welche Richtung die Fahrt weitergeht“ und die Regierungsmitglieder die Veranstalter, die planen sollten, mit Ansagen abspeisen, die da lauten, dass man in zwei Wochen dann sagt, wie es im Mai weitergeht, erschwert die Situation. Gerd Nachbauer: „Die vergleichen uns Kulturveranstalter mit einer Bergtour, bei der man halt am Samstag einmal schaut, wie das Wetter ist, damit man dann am Sonntag starten kann.“ VN-cd

„Hätte ich bei der Besucherzahl Spielraum, dann hätte ich mich bislang krank verdient.“

"Es gibt keine Perspektiven"