Mit subtiler Verbindung zur Gegenwart

Kultur / 09.04.2021 • 22:44 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„Sprich nur ein Wort“ von Maximilian Lang wurde am Freitagabend am Vorarlberger Landestheater uraufgeführt. LT/köhler
„Sprich nur ein Wort“ von Maximilian Lang wurde am Freitagabend am Vorarlberger Landestheater uraufgeführt. LT/köhler

„Sprich nur ein Wort“, ein Stück über Franz Michael Felder von Maximilian Lang, wird zum hochpsychologischen Spiel.

Bregenz Jeweils 100 Besucher darf das Vorarlberger Landestheater derzeit pro Aufführung ins Haus lassen. Dem Interesse, das ein Stück über Franz Michael Felder (1839-1869) hervorruft, wird man damit nicht entsprechen können. Die Produktion des Dramas „Sprich nur ein Wort“ des Vorarlbergers Maximilian Lang wird jedoch aufgezeichnet, auf einer Großleinwand will man sie im Sommer zugänglich machen. Schön, was Intendantin Stephanie Gräve am Freitagabend nach der Uraufführung anzukünden hatte. Mancher, der in den Publikumsreihen saß, wird vermutlich auch dieses Angebot wahrnehmen, denn die Komplexität dieser Monologe von vier Personen aus dem Umkreis des Dichters und Sozialreformers reizt unweigerlich zur mehrmaligen Befassung.

Die Vorgeschichte dieses Stückauftrags bleibt erfahrbar. Maximilian Lang, längst bekannt als Dramatiker und Essayist, hat vor Jahren einige Texte für eine Felder-Ausstellung verfasst, die von Schauspielern gelesen wurden. Sich der Dialogform zu widmen, die er bekanntermaßen gut beherrscht, davon hatte Lang abgesehen, auch Felder selbst tritt nicht auf, als Zeitpunkt wird vielmehr der Denkmalstreit in Schoppernau, Jahre nach dem Tod des Dichters, gewählt. Eine gute Lösung, die offenbar nicht nur der Tatsache geschuldet ist, dass der Autor die Ikonisierung hinterfragt, sondern auch seinem literarischen Zugang: Über Kaspar Moosbrugger, den Beamten und einstigen Mitkämpfer, über Pfarrer Rüscher, den erbitterten Gegner, über dessen Köchin, eine Figur, die eine etwas distanziertere Perspektive einnehmen kann, und Maria Anna Moosbrugger, die seine Kinder nach dem Tod seiner Frau betreute, ist Felder ohnehin präsent. Dass die Figur, die die Auftretenden zeichnen, durchaus bzw. auch dann noch fassbar wird, wenn sich etwa bei Maria Anna ziemliche Überspanntheit zeigt, ist dem psychologischen Gespür und der Genauigkeit des Autors zu verdanken.

Selbsterhöhung

Zunehmend fasziniert versucht man als Zuschauer Satz für Satz in einem Theaterraum zu folgen, der für eine derartige Präsentation nicht optimal ist. Über Bilder, die dabei geschaffen werden, wird das politische Wirken Felders deutlich. Da muss die Gründung der „Vorarlberg‘schen Partei der Gleichberechtigung“ nicht eigens betont werden, auch nicht die des Käsehandlungsvereins, mit dem die Bauern ihre Ausbeutung etwas abmildern konnten. Felders literarisches Werk schon gar nicht. Maximilian Lang weiß schon, was er tut, wenn er kein Volksstück schreibt und Bérenice Hebenstreit, die Regisseurin, entscheidet sich folgerichtig für mehr performative Elemente, die der Aufführung einen gestylten Charakter verleihen, die sie gut verträgt. Die Kostüme von Mira König sind entsprechend. Der gar so riesige, vom Schnürboden schwebende Kubus, der wohl die Enge beschreibt, unter denen die Menschen litten, der andererseits aber auch die Last der Vereinnahmung Felders durch unterschiedliche Gruppierungen bis hin zu politischen Parteien symbolisiert, bleibt fragwürdig wie das Zuviel an Bühnennebel. Aus der Vergangenheit aufzutauchen, gar nicht zu Fleisch und Blut zu werden, sondern einen gewissen Abstand zu wahren und vor allem zu verdeutlichen, sich durch Felder selbst erhöhen zu wollen, diese Spielart haben David Kopp, Grégoire Gros, Elke Maria Riedmann sowie Johanna Köster intus. Sie schaffen damit auch eine subtile Verbindung zur Gegenwart.

„Sprich nur ein Wort“, ein Stück mit trefflichem, einem Gebet entnommenen Titel, wird zum hochpsychologischen Spiel. Dass der Antiliberalismus der Kleriker noch lange in der Politik des Landes wirkte, schwingt mit. Viel Applaus für Bühnenteam und Autor.

Dichter und Reformer Franz Michael Felder (1839-1869). FMF Archiv
Dichter und Reformer Franz Michael Felder (1839-1869). FMF Archiv

Nächste Aufführungen am 10. April, 15 und 18 Uhr sowie weitere: www.landestheaterorg; 12. bis 14. April, Online-Tagung zu Franz Michael Felder: www.vorarlberg.at/vlb