Auszeichnung für experimentelle Literatur

Kultur / 22.04.2021 • 18:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Laszlo Krasznahorkai erhält den Staatspreis für europäische Literatur. ap
Laszlo Krasznahorkai erhält den Staatspreis für europäische Literatur. ap

Outstanding Artist Award für Vorarlberger Autorin Lisa Spalt.

Wien, Hohenems László Krasznahorkai, der große europäische Romancier aus der ungarischen Kleinstadt Gyula, wird mit dem Österreichischen Staatspreis für europäische Literatur des Jahres 2021 ausgezeichnet. Das gab Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer rechtzeitig zum heutigen Welttag des Buches bekannt. „Einzigartig im Stil, berückend in der Kraft der Bilder, hemmungslos im Finden realer und surrealer Szenen, mit kühler Ironie und scharfem Witz, sind die Romane und Erzählungen von László Krasznahorkai wohl durchdacht, vollendet geschrieben und klar komponiert“, würdigte die Jury in ihrer Begründung. Der Österreichische Staatspreis für europäische Literatur wird jährlich für das literarische Gesamtwerk einer europäischen Autorin oder eines europäischen Autors verliehen, das international besondere Beachtung gefunden hat. Neben der mit 25.000 Euro dotierten Ehrung wurden auch weitere Auszeichnungen verkündet. Den Staatspreis für Literaturkritik erhält Stefan Gmünder. Der Kunstpreis für Literatur geht an die Tirolerin Barbara Hundegger.

„Preis ist großes Privileg“

Der Outstanding Artist Award für Literatur wird jährlich an eine Autorin oder einen Autor der jüngeren oder mittleren Generation vergeben, wenn diese bereits wichtige Veröffentlichungen vorweisen können. Heuer kann sich die in Hohenems geborene und in Linz lebende Schriftstellerin Lisa Spalt (50) über die mit 10.000 Euro dotierte Ehrung freuen. „Wie Mikroskope richten Lisa Spalts literarische Werke den Blick auf das Funktionieren von Regeln und Narrationen – und immer wieder und vor allem auf die Sprache“, sagte die Jury. Die Freude über die Auszeichnung bei der Vorarlberger Autorin ist groß. „So ein Preis ist, gerade in dieser Zeit, ein großes Privileg. Zum einen gibt mir selbstverständlich jede positive Reaktion das Gefühl, dass die Arbeit nicht nur für mich Sinn macht. Aber ein Preis oder Stipendium erlaubt eben vor allem auch, sich aufs Schreiben zu konzentrieren“, sagt Spalt zu den VN. Vor einiger Zeit gründete die Schriftstellerin das „Institut für poetische Alltagsverbesserungen“, das sich damit beschäftigt, literarisch-konstruktiv auf die Welt einzuwirken. Im vergangenen Jahr bekam Spalt das Vorarlberger Stipendium „5×5 GO“, das ihr ermöglicht hat, im Rahmen ihres Projekts „Youtopia / Plan B“ unterschiedliche Menschen in Europa zu ihren utopischen Vorstellungen zu befragen. Gemeinsam mit dem Künstler Otto Saxinger, der die Sitzungen filmt, wurden bereits rund 50 Menschen interviewt. Am Ende soll aus den Interviews eine große Video-Installation entstehen. „Corona stoppt uns derzeit immer wieder. Aber einen Teil des Outstanding Artist Awards werde ich nun dafür verwenden können, die technische Umsetzung des Projekts zu ermöglichen.“

Erst im November 2020 durfte die Autorin der experimentellen Literatur den oberösterreichischen Floriana-Literaturpreis für ihren Text „Die grüne Hydra“ entgegennehmen. Ihr jüngster Roman „Das Institut“ erschien 2019 im Czernin Verlag. Spalt erzählt von einer Welt, in der Poesie als Instrument einer Diktatur missbraucht wird. VN-TAS