Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Wo geht es hier zur Kunst?

Kultur / 04.07.2021 • 20:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Der Begriff Sommerausstellung als solcher hat ausgedient. Allein aufgrund mehrerer Orchester- und Theaterensemble-gründungen, der Eröffnung von zahlreichen Kunsträumen sowie Kulturinitiativen, die es seit einigen Jahrzehnten gibt, hat sich das Angebot in Vorarlberg derart gebessert, dass es kaum noch möglich ist, in der Festspielzeit mit den eng getakteten Opernaufführungen, Schauspielpremieren und Konzerten etwas Außergewöhnliches im Bereich der bildenden Kunst anzubieten. Allzu schnell fungieren solche Projekte in einschlägigen Veranstaltungskalendern zudem als Schlechtwetterangebote. Das will wohl niemand.

Nichtsdestotrotz verhält es sich in der Landeshauptstadt so, dass das schöne Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis im Sommer nicht von der Künstlervereinigung bespielt wird, sondern dem Hausherrn, der Stadt Bregenz, zur Verfügung steht. Nach mehrjähriger Verwaisung in den Monaten Juli und August nahm die Stadt dann doch wieder Geld in die Hand und richtete dort informative Personalen aus. Schlecht beworben, waren sie allerdings nicht adäquat besucht. Im vorigen Jahr, als man die gute Idee hatte, die eigene Sammlung zu öffnen und keine Leihgaben brauchte, deren Beschaffung angesichts der Pandemie ohnehin schwierig gewesen wäre, erwies sich der Verzicht auf die Kunstvermittlung als besonders tragisch. Unbeholfen aufgezogen, konnte das Projekt nicht entsprechend punkten.

Heuer ist eine Ausstellung mit Arbeiten von Karl-Heinz Ströhle (1957-2016) geplant. Eine gute Entscheidung. Zeichnungen, Skulpturen, Objekte und Videoarbeiten des leider früh verstorbenen Vorarlbergers waren zwar immer wieder an verschiedenen Orten zu sehen, eine der Einordnung dienende Betrachtung des Gesamtwerkes des wichtigen Vertreters der österreichischen Gegenwartskunst blieb aus. Dass Ströhle zu den wenigen Vorarlberger Künstlern zählte, die vom Kunsthaus Bregenz für Projekte engagiert wurden, ist nur marginal dokumentiert. Seine Arbeit an der gläsernen Außenwand dürfte filmisch rekonstruierbar sein und dass das Projekt für den Platz zwischen dem KUB und dem Landestheater wieder sichtbar gemacht wurde, zählt zu den Aktionen, auf die man lange warten musste. Aber gut, mit der über die Jahre bis zur Unkenntlichkeit verblassten Arbeit darf man sich nun wieder auseinandersetzen.

Wer den Kunstbetrieb in Vorarlberg über längere Zeit verfolgte, der betrachtet die grundsätzliche Sommerausstellungsthematik, aus der sich das Vorarlberg Museum aus nicht nachvollziehbaren Gründen komplett verabschiedet hat, dennoch mit einiger Wehmut. Die Möglichkeit, Kunst im öffentlichen Raum präsent zu machen, wird kaum noch ergriffen. Bregenz spielte dabei einmal eine Vorreiterrolle. Lediglich in Dornbirn kündigt sich mit Erwin Wurm eine Initiative an. Dort gibt es bekanntermaßen ein sehr engagiertes Kunstraum-Team. Und auch im Kunstforum Montafon in Schruns agiert man zwar nicht laut, aber seit 25 Jahren unübersehbar gut.

„Die Möglichkeit, Kunst im öffentlichen Raum präsent zu machen, wird kaum noch ergriffen. Bregenz spielte dabei einmal eine Vorreiterrolle.“

Christa Dietrich

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