Wieder glücklich, aber achtsam

Kultur / 16.07.2021 • 22:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Am Samstagabend werden  Jugendliche die Hauptprobe von „Rigoletto“ sehen, am Montag folgt die öffentliche Generalprobe. VN/PS
Am Samstagabend werden  Jugendliche die Hauptprobe von „Rigoletto“ sehen, am Montag folgt die öffentliche Generalprobe. VN/PS

Die Bregenzer Festspiele stehen stabil da, erwarten eine bestens gebuchte Saison – und doch ist alles herausfordernd.

BRegenz Jeweils etwas mehr als tausend Tickets haben die Bregenzer Festspiele in letzter Zeit Tag für Tag abgesetzt. 218.000 Tickets sind (ohne öffentliche Generalprobe, dem Programm für Jugendliche sowie Führungen) aufgelegt, rund 85 Prozent sind bereits gebucht. “Wir sind hochzufrieden”, kommentiert der kaufmännische Direktor Michael Diem die Situation vor der Eröffnung am kommenden Mittwoch. Wenn die erste Woche gut gebucht sei, dann ziehe sich das über die gesamte Saison so weiter, das könne er von den Erfahrungen in den letzten Jahren ableiten. Das Interesse des Publikums sei heuer aber gesondert zu werten und deshalb umso beglückender. Nach Monaten der Unsicherheit, ob und wie gespielt werden kann, sei bis Mitte Mai noch nicht einmal klar gewesen, dass alle Plätze besetzt werden dürfen. Das ist nun bei Einhaltung der 3-G-Regel (getestet, geimpft oder genesen) der Fall.

Optimistisch, aber angespannt

“Achtsamkeit ist gefordert”, erklärt Diem die Situation im Festspielhaus und auf dem gesamten Areal. Die Sicherheit des Publikums muss angesichts der noch nicht überwundenen Pandemie gewährleistet sein. Die Mitarbeiter haben ein strenges Präventionskonzept zu befolgen. Steigende Inzidenzzahlen seien der mittlerweile erkennbaren Festspielstimmung nicht zuträglich. Das Team sei optimistisch, aber in Anspannung.

Was die Finanzen nach der notwendig gewordenen Absage im vergangenen Corona-Sommer betrifft, wählt Festspielpräsident Hans-Peter Metzler im Gespräch mit den VN die Begriffe “solide und stabil”, auch wenn alle Reserven aufgrund der Einnahmenverluste weg sind. Das Programm von Intendantin Elisabeth Sobotka stimme ihn zuversichtlich. Nachdem der Zuspruch für die Inszenierung von Verdis Oper “Rigoletto” auf der Seebühne so groß ist, bestehe die Chance, die Reserven wieder Schritt für Schritt aufzubauen. Das Konzept der Bregenzer Festspiele, dass Kunst wiederum Kunst finanziert, habe sich nicht geändert. “Wir müssen schauen, dass wir die Oper auf dem See optimal vermarkten, damit wir die Programme in den Häusern finanzieren können.”

Daraus ergibt sich im Übrigen auch die Thematik, von der die Festspiele im Vorjahr im Besonderen betroffen waren. Wie erinnerlich, hätte die Seetribüne nur zu weniger als 50 Prozent ausgelastet sein dürfen. Das große Programm wurde abgesagt, man veranstaltete acht Festtage mit Konzerten und einer Opernuraufführung. Den Fehlbetrag aufgrund der Ticketrefundierungen bezeichnet Metzler mit 15 Millionen Euro.

Sponsoren bleiben

Das 75-Jahr-Jubiläum der im Jahr 1946 gegründeten Festspiele ist somit ein Aufbaujahr. Die Faktoren beim Start beurteilt auch Metzler als positiv. Das Interesse des Publikums an Kunst sei gegeben und die privaten Sponsoren konnten die Festspiele trotz der coronabedingten Wirtschaftskrise halten.

„Wir stehen solide da, auch wenn aufgrund von Corona alle Reserven aufgebraucht sind.“

Wieder glücklich, aber achtsam

Eröffnung der Festspiele am 21. Juli. Am Abend findet die Premiere der Oper “Nero” statt, am 22. Juli folgt “Rigoletto” auf dem See. Die Saison dauert bis 22. August.