Europa hat heuer drei Kulturhauptstädte

Kultur / 04.01.2022 • 22:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bis Bad Ischl 2024 Kulturhauptstadt ist, kann sich noch einiges ändern. APA
Bis Bad Ischl 2024 Kulturhauptstadt ist, kann sich noch einiges ändern. APA

Die Pandemie hat die Reihenfolge durch­einandergewirbelt.

Brüssel An sich steht fest, wer bis ins Jahr 2026 den Titel tragen darf, der 1985 von der Europäischen Union eingeführt wurde. Wegen Covid hat Europa 2022 aber drei Kulturhauptstädte. Die für 2021 vorgesehenen Metropolen Timișoara in Rumänien und Eleusis in Griechenland dürften 2023 zum Zug kommen, während das serbische Novi Sad auf heuer verschoben wurde. Das luxemburgische Esch und das litauische Kaunas werden heuer also ergänzt.

Esch

Nirgendwo in Luxemburg treffen Vergangenheit und Zukunft sichtbarer aufeinander als in Esch. Neben längst erkalteten Hochöfen stehen moderne Unigebäude, und 120 Nationen sind hier zu Hause. An der großen Vielfalt setzt Esch als Kulturhauptstadt an und nimmt unter dem Motto „Remix Culture“ eine ganze Region mit. Rund 160 Projekte mit mehr als 2000 Events sind es, die die Stadt im Süden des Landes zusammen mit Gemeinden im angrenzenden Frankreich plant. Thematisch geht es um das, was die Region eint: Eine gemeinsame industrielle Geschichte aus Erz und Stahl, die kulturelle Vielfalt und Visionen für ein grenzenloses Europa. Durch das „Remixen“ in verschiedenen Kategorien soll Neues entstehen und die Öffentlichkeit zum Mitmachen bewegt werden. 32 Millionen Euro seien für Umbauten, Renovierungen und Infrastruktur geflossen. Weitere zehn Millionen Euro gab die Stadt zum Projekt, vom Staat kamen 40 Millionen Euro.

Kaunas

Modern und europäisch will sich Litauens zweitgrößte Stadt präsentieren, mit viel Kultur, Geschichte und Selbstbewusstsein. Dies soll helfen, weiter aus dem langen Schatten der Hauptstadt Vilnius herauszutreten. Kaunas besitze eine „außergewöhnliche, komplexe, wechselhafte Geschichte“, betonte der litauische Kulturminister Simonas Kairys bei der Vorstellung des Programms. Sichtbar sei in der von mehreren Hügeln umgebenen und am Zusammenfluss zweier Flüsse gelegenen Stadt das „ganze Kaleidoskop der Epochen und politischen Systeme“. Insgesamt sollen im Kulturhauptstadtjahr mehr als 40 Festivals, 60 Ausstellungen und jeweils über 250 Veranstaltungen der darstellenden Künste und Konzerte stattfinden.

Novi Sad

Die Stadt Novi Sad liegt am Mittellauf der Donau. Im Jahr 1748 verlieh die Habsburger Kaiserin Maria Theresia der auf lateinisch Neoplanta genannten Siedlung den Titel einer königlichen Freistadt. Ihre Bürger sollten sie fortan in ihrer jeweiligen Muttersprache benennen: Neusatz auf deutsch, Ujvidek auf ungarisch und Novi Sad auf serbisch. Mit einem Budget von 60 Millionen Euro stellt die Stadt mit 340.000 Einwohnern ein ambitioniertes Programm auf die Beine. Abgehandelt werden Themen wie Migration, Frauen in der Kunst, die Zukunft Europas. Bis Ende 2022 werde man rund 5000 europäische Künstler in der Stadt gehabt haben, heißt es. Die Coronapandemie scheint die Kulturhauptstadtmacher nicht aus der Fassung zu bringen. Serbien hatte nur einen einzigen harten Lockdown. In Novi Sad liefen seitdem Vorprogramme, darunter auch Kooperationen mit dem Österreichischen Kulturforum in Serbien und Künstlervereinigungen in Österreich.

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