Pianistengrüße aus Russland

Kultur / 05.01.2022 • 20:53 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
In Linz bringt Aaron Pilsan ein Werk des fast vergessenen Franz Xaver Mozart zur Aufführung. voith
In Linz bringt Aaron Pilsan ein Werk des fast vergessenen Franz Xaver Mozart zur Aufführung. voith

Nach seinem Tournee-Abenteuer liefert der Vorarlberger Aaron Pilsan eine Entdeckung.

Dornbirn Werken von Franz Xaver Mozart zu begegnen, wird auch den Musikfreunden, die regelmäßig Konzerte besuchen, nicht einfach gemacht. Eine solche Chance gibt es allerdings am 30. Jänner im Linzer Brucknerhaus, wo der bekannte, aus Dornbirn stammende Pianist Aaron Pilsan (26) als Solist beim zweiten Klavierkonzert von diesem Franz Xaver Wolfgang Mozart (1791-1844), wie er mit vollem Namen hieß, auftritt. Das Werk dieses jüngsten Sohnes von Wolfgang Amadeus Mozart ist weitgehend in Vergessenheit geraten, und Franz Xaver dürfte auch sehr darunter gelitten haben, dass man ihn mit der Genialität seines Vaters verglich, die er nicht erreichen konnte. „Es ist ein sehr spannendes Werk“, erklärt Aaron Pilsan zur Komposition in Es-Dur: „Das Rondo ist sehr humorvoll, es ist im Gesamten sehr virtuos, geht eher in Richtung der Werke von Johann Nepomuk Hummel, könnte aber auch vom Jeunehomme-Konzert seines Vaters inspiriert sein. Es enthält einen sehr feierlichen Satz, ich freue mich darauf.“

Turbulenzen

Demnächst gibt Pilsan ein Recital im Schumann-Haus in Bonn, zurzeit ist er aber wieder einmal in seiner Heimat Dornbirn, bevor er an seinen Künstlerwohnsitz in Berlin zurückkehrt. Die letzten Tage waren nämlich auch für den gestandenen Pianisten mit trotz Corona recht gefülltem Terminkalender durchaus turbulent. Die Weihnachtsfeiertage verbrachte er in Russland, wo er im Rahmen des Mariinsky-Klavierfestivals von Valery Gergiev und Mira Yevtich auftrat. Sein Part war der erste Teil von Johann Sebastian Bachs „Wohltemperiertem Klavier“, ein Stück, in dem Aaron Pilsan, der sich in einem VN-Interview als absoluter Bach-Fan outete, zu Hause ist. Schließlich hatte er im April letzten Jahres auch das Album „Das Wohltemperierte Klavier“ herausgebracht. Ein Konzert war am 24. Dezember in Vladikavkaz angesetzt, ein zweites ein paar Tage später in St. Petersburg. Die Auftritte ermöglichten es Pilsan, sich mit unterschiedlichem Publikumsverhalten auseinanderzusetzen.

In Vladikavkaz war man, wie er erzählt, zuvor besorgt, ob der Konzertsaal wohl gut besetzt sein wird, weil es in der Stadt, die immerhin über 300.000 Einwohner hat, kein regelmäßiges Musikangebot gibt. Letztlich hat er aber vor sehr viel jungem Publikum gespielt, das sich äußerst begeistert zeigte, den Emotionen freien Lauf ließ, „klatschte oder auch weinte“ und den Pianisten im Anschluss um gemeinsame Fotoaufnahmen bat. In St. Petersburg war dann alles wie gewohnt, allerdings konnte der Künstler miterleben, dass in diesem Land Auftritte lange nicht so akribisch geplant werden, wie er es sonst kennt. „Das war für mich sehr spannend zu erleben, es wird von den Umkleiden bis zu den Auftrittsfolgen vieles spontan geregelt, aber letztlich funktioniert es dann doch, weil alle super professionell arbeiten.“

Konkret geplant wurde eine weitere Zusammenarbeit von Valery Gergiev somit nicht, aber man habe sich auf ein weiteres Treffen verständigt, erklärt Aaron Pilsan.

Herausforderungen

Übrigens: Im Jahr 2022 wird es selbstverständlich auch Auftritte in Vorarlberg sowie in der Region geben. Da die Verträge noch nicht unterzeichnet sind, will Pilsan aber noch nicht über die Termine sprechen. Lieber über weitere bevorstehende musikalische Herausforderungen. Sie betreffen neben Werken von Franz Xaver und Wolfgang Amadeus Mozart die Brahms-Bach-Chaconne mit der linken Hand oder Werke von Schumann und Liszt in Varianten, die die Grenzen des Instrumentes sprengen. Die Auseinandersetzung mit den Grenzen im Leben, mit Zwischenfällen oder dem Unberechenbaren beschäftigt ihn auch in seiner künstlerischen Arbeit. Und zwar auch ohne Pandemie, die für ihn wie für seine Künstlerkollegen vieles erschwert habe, die, wie er eigens betont, aber auch zu spontanen Begegnungen führte, die neue Perspektiven öffneten.

„Es ist vieles schwieriger geworden, aber es ergeben sich auch spontane Begegnungen.“

Zur Person

Aaron Pilsan

Geboren 1995 in Dornbirn

Ausbildung Musikschule Dornbirn (Iván Kárpáti), Mozarteum Salzburg (Karl-Heinz Kämmerling), Lars Vogt; Meisterkurse bei András Schiff, Alfred Brendel, Daniel Barenboim, Maria João Pires, Sergei Babayan

Tätigkeit Internationale Konzerte in Solorecitals, mit Orchestern und als Kammermusiker, eine Solo-CD, CD „Home“ gemeinsam mit Kian Soltani, CD „Wohltemperiertes Klavier“ von Bach
Auszeichnungen Förderprogramm der Schweizer Stiftung Orpheum, „Rising Star“ der European Concert Hall Organisation, Förderpreis des Deutschlandfunks

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