Mit einem Hoffnungsschimmer am Ende

Kultur / 14.01.2022 • 18:17 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Mit einem Hoffnungsschimmer am Ende

Ein Buch, das man sich erarbeiten muss, was aber belohnt wird.

Roman Abgesehen von einem Prolog wird die Geschichte abwechselnd aus der Vater- und der Tochter-Perspektive erzählt. Der Vater, das ist Svatopluk Žák, ein 1935 in Žižkov geborener überzeugter Kommunist. Die Tochter, das ist die 1980 geborene Bohdana Žáková, mutterlos an der Seite ihres Vaters aufgewachsen und ohne medizinisch plausiblen Grund verstummt. Ganz langsam entwickeln sich die beiden tragischen Lebensgeschichten und gewinnen auch Bohdanas verstorbene Mutter, die Pianistin Eva, und die geliebte Stiefmutter Bela, Bohdanas ehemalige Kindergärtnerin, Konturen. Und es lichten sich die Nebel, wer jene Blanka war, die als totgeschwiegenes Phantom schwer über der Familiengeschichte zu liegen scheint. In einem erzählerischen Kunstgriff lässt Alena Mornštajnová ab einem gewissen Punkt der Geschichte die Leser schlauer sein als Bohdana.

„Stille Jahre“, zuvor ein düsteres, fast mysteriöses Schicksalsgewebe, gewinnt plötzlich an Fahrt, wird episodenhaft zum Krimi, bekommt tragödienhafte Züge und stellt den vorbildlichen Parteisoldaten Svatopluk vor Entscheidungen, die sich nicht nur mit seinen Prinzipien kaum vereinbaren lassen, sondern die Geschicke der ganzen Familie grundlegend verändern. Für die Familie Žák sind es am Ende nicht nur stille, sondern auch bleierne Jahre. Erst ganz am Ende, der Vater hat sich nach einem schweren Schlaganfall langsam wieder erholt, gibt es einen Hoffnungsschimmer. Das Schlusskapitel heißt schließlich „Vater und Tochter“, sollte aber besser „Vater und Töchter“ heißen.

“Stille Jahre”, Alena Mornštajnová, Wieser Verlag, 280 Seiten.

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